Ursel

Ursel aus Speyer, unterwegs mit ihrem Fahrrad ab Mai 2025, gestartet am 1. Mai in Speyer in Deutschland. Kennengelernt haben wir uns im Januar 2026 am Wadi Al Arbeieen im Oman

Arabische Halbinsel 2025-2026 | Teil 5 – Kuwait

Reise auf die Arabische Halbinsel 2025 – 2026 | Teil 5 – Kuwait

Ankunft in Kuwait   

Drei Wochen haben wir im Irak verbracht. Jetzt kommen wir an die Grenze nach Kuwait. Das Wichtigste ist unser Visum. In diesem Fall „Visum on Arrival“, 10 US-$ pro Person. Das hört sich doch alles locker und gut an. Nach einer halben Stunde Wartezeit kommt der ausführende Grenzbeamte mit einem süss-sauren Gesicht und meldet „we have a problem“. Das Verfahren wurde über Nacht umgestellt. Kostet jetzt 100 US-$/Person oder wir machen das selbst online. Wir sind optimistisch. Doch bereits beim Registrieren lässt sich kein Passwort kreieren. Der Grenzbeamte will helfen, leider vergeblich. Auch er ist überfordert. Es folgen 2 1/2 Stunden Warten. Wir sehen, daß hinter dem Schalter des Grenzers viele emotionale Telefonate geführt werden. Dann endlich die Erlösung. Visum ist erteilt für 10 US-$. Das Schwabenherz von Corinne kann sich beruhigen. Wir sind die Ersten nach der EDV-Umstellung. Der komplette Grenzübertritt dauert 5 Stunden. Warum muss immer alles so kompliziert sein. Wehe, wenn nochmal jemand über die Europäische Union schimpft! Es geht noch schlimmer.

Weiter geht es nach Kuwait Stadt. Einen imposanten Übernachtungsplatz finden wir direkt unterhalb der Kuwait Towers. Es ist Weihnachten und wir gönnen uns ein Essen in einem dieser Türme. Nach zwei Tagen verlegen wir unseren Stellplatz auf Southern Island, eine abgelegene Fläche im Meer gegenüber der Skyline. Kaum angekommen, folgt bereits eine Einladung. Und von wem? Es ist der Eigentümer von Alkhaled Factory, einer Firma, die Wohnmobile nach kuwaitischem Stil herstellt. Die Bilder sprechen für sich.

 

Kuwait City – auf dem Fischmarkt, in der Mall „The Avenues“ und im riesigen Shaheed Park

Wir beschließen, doch noch Silvester abzuwarten und beziehen einen neuen Stellplatz am Fischmarkt. Ich suche vergeblich einen Automaten für die Parkgebühr. Ich spreche einen Kuwaiti an, der erst gar nicht versteht, wie man solch eine Frage stellen kann. Alles ist hier kostenlos. Es gibt Parkplätze in Hülle und Fülle, natürlich überdacht wegen der zerstörerischen Sonne im Sommer. Krankenversicherung, Sozialabgaben – doch nicht hier. Brutto-Lohn = Netto-Lohn. Was ist denn das? Der Kuwaiti kennt nur einen Lohn und das ist der ohne Steuern und ohne Sozialabgaben. So lässt es sich hier komfortabel leben.

Im Sommer sind die Temperaturen bis zu 50 Grad. Die Hölle selbst für die Einheimischen. Und was machen diese? Sie gehen in ihre klimatisierten Malls. Dort gibt es alles, was das Herz begehrt. Luxus en masse!

 

Kuwait City – Besuch von Ahmed, dem Unimog-Fahrer und Fahrt zur Grenze nach Saudi Arabien

Es ist bereits dunkel, als es an Karlis Tür klopft. Es ist ein Araber namens Ahmed, der die üblichen Fragen stellt. Woher, wohin usw. Er selbst hat einen riesigen Unimog, den er uns unbedingt zeigen will. Gesagt, getan. Am nächsten Tag taucht er auf. Wir trinken bei ihm Kaffee, lassen uns alles von ihm erklären und lassen die arabische Gastfreundschaft über uns ergehen. Nach acht Tagen Aufenthalt in Kuwait Stadt ziehen wir weiter zur Grenze nach Saudi Arabien.

 

Arabische Halbinsel 2025-2026 | Teil 4 – Federal Irak

Reise auf die Arabische Halbinsel 2025 – 2026 | Teil 4 – durch Federal Irak nach Süden

Von Erbil nach Samarra

 

Der Regen in Erbil hat sich nach fünf Tagen endlich verzogen. Nach fast zwei Wochen in Kurdistan – Irak müssen wir weiter zur Grenze nach Federal Irak. Bis vor wenigen Wochen gab es für uns nur ein Irak. Dass es hier doch wesentliche Unterschiede gibt zwischen Kurdistan und Federal haben wir erst bei dieser Reise gelernt.

Nach circa einer Stunde Fahrzeit kommt die Grenze: alle sind freundlich und zuvorkommend. Reisepass, Visum, Fahrzeugschein, Carnet de passage. Das sind die üblichen Papiere, die verlangt werden. Zunächst sucht der erste Iraki nach dem Einreisestempel. Dann bittet er uns an die Seite zu fahren. Fahrzeug abstellen, mitkommen zum „chief officer“. In dem Container erwarte ich reges Treiben. Nix da. Alles verrammelt und die Vorhänge zu. Es wird geklopft, mehrmals. Dann dringen Geräusche zu uns vor. Einige unverständliche animalische Laute werden vernommen – und der wird doch nicht etwa….? Und tatsächlich, der „Big Boss“ öffnet mit kleinen Augen die quietschende Tür. Die Mütze noch schnell auf den Kopf. Steht da einer vor mir im Unterhemd und offenem Hosenschlitz und bietet mir einen Chai an. Gut gemeint, aber bei solchen Verhältnissen lehnt selbst der Capitano das Angebot ab. Der „chief officer“ macht Kopien von allen Papieren und zeigt seinem untergeordneten Officer den Einreisestempel. Und damit ist das Geschäft erledigt. Wir dürfen weiter. Das Ganze wiederholt sich bei den bevorstehenden 200 km circa 15 mal und unsere Nerven liegen blank. Die schlafen sich einen ab und wir als ordentliche Deutsche sehen weder eine digitale Vernetzung, keinerlei Struktur in dem Ganzen, aber ein eskalierendes Chaos. Ruhig Blut, irgendwann sind auch wir bei Dunkelheit in Samarra. Suchen in den schlammigen Straßen einen Übernachtungsplatz. Ein Iraker ist uns dabei behilflich. Vor seinem Geschäft dürfen wir parken. Welch Glück! Und dann kommt wieder so einer im Tarnanzug, schaut grimmig und fordert uns auf, weg zu fahren. Wir diskutieren, appellieren an seine soziale Kompetenz. Fremdwort. Wir müssen weg. Wir irren bei Nacht durch die Schlammstraßen. Das GPS spinnt jetzt auch noch und zeigt eine Position 200 km weiter südlich in Karbala. Endlich in einer Seitenstraße die ersehnte Ruhe. Von wegen, nach fünf Minuten stehen etwas 20 Leute um unser Fahrzeug. Polizei, Militär, zivile Wichtigtuer und zwei demütig dreinschauende Deutsche, die nur eins wollen. Etwas essen und schlafen. Es wird noch eine weitere Stunde diskutiert, die Lösung scheint in greifbarer Nähe. Man hat sich geeinigt. Wir dürfen stehen bleiben – aber die Polizei bleibt bei uns und hält Wache bis zum nächsten Morgen. Egal, Hauptsache wir haben unsere Ruhe. Das war unser Erlebnis in Samarra. 

Baghdad

Ein Geräusch bei Karli macht sich wieder bemerkbar. Mein Verdacht – der Winkelhalter vom DPF ist wieder gerissen. Kaum in Baghdad angekommen, suchen wir die erste Werkstatt auf. Verkehrschaos, Hupen, stinkende Luft und wir stehen vor einer Autowerkstatt und erklären unsere Situation. Nach zwei Stunden schrauben und schweissen ist alles repariert. Und dann nehmen die hilfsbereiten Irakis vor lauter Gastfreundschaft keinen Cent für ihre geleistete Arbeit. Aber wir müssen einen Tee mit ihnen trinken. Hat man dafür noch Worte.

Mittlerweile stockdunkel, wir suchen wieder mal einen Übernachtungsplatz. Werden in einem Wohngebiet fündig und fallen todmüde ins Bett.

Am nächsten Tag wird eine Iveco Werkstatt angesteuert. Für 20 km brauchen wir 1,5 Stunden Fahrzeit. Der Meister lässt sich von uns alles erklären, lehnt sich zurück und meint: Lieferzeit für einen neuen Winkel vier Monate. Indiskutabel, wir lehnen ab.

Wir bleiben noch weitere zwei Tage. Lernen Samara und ihre Familie kennen, die uns mit Geschenken und Essen verwöhnt. Wir wissen gar nicht, wie uns geschieht. Auch das ist Baghdad.

Dann spricht uns Adnan in einer Verkaufsstraße von Baghdad in hervorragendem Englisch an. Er war Pilot bei Iraqi Airlines, ist jetzt Rentner und die Themen, die wir zu besprechen haben, nehmen kein Ende. Auch das ist Baghdad.

Und dann ist da wieder die Polizei. Bleibt die ganze Nacht bei uns, da sie um unser Wohlergehen und Sicherheit bemüht sind. Auch das ist Baghdad.

 

Babylon

Babylon, Mesopotamien, Euphrat, Tigris. Die schon fast vergessene Vergangenheit vom früheren Geschichtsunterricht wird zur Gegenwart. Nur schwer lässt sich erahnen, welche Baukunst und Dimensionen dieses Reich mit ihren tollen Bauten vorzuweisen hatte.

Ein dunkles Kapitel direkt in der Nachbarschaft ist der ehemalige Palast von Saddam Hussein. Zwischenzeitlich ziemlich verkommen, diente dieser während des dritten Golfkrieges den Amerikanern als Stützpunkt.

Wir lernen Theresa und Patrick kennen. Die beiden haben sich vom Berufsleben eine Auszeit genommen und verfolgen die gleichen Ziele wie wir.

 

In der heiligen Stadt Nadjaf

Nadjaf ist wohl die konservativste Stadt im Irak. „Klein Mekka“. Viele, viele Iraker pilgern zu dieser Stadt. Vergleichbar mit Ghom im Iran unterliegen die Menschen strengen Kleidungsvorschriften. So auch unsere Mädels mit ihren „Abayas“. Hussein, ein Iraker der englisch studiert hat, erklärt uns die Sitten und Gebräuche dieser Stadt. Ach, geht es uns doch so gut in Deutschland!

 

In der antiken Mega-City Uruk in Mesopotamien

Uruk ist eine riesige Ausgrabungsstätte. Und geleitet wird das alles von einer deutschen Archäologin namens Margarete van Ess aus Tübingen. Was soll man dazu sagen. Wir Deutsche werden bevorzugt behandelt. Müssen keinen Eintritt zahlen, bekommen eine Führung und werden, wie es sich gehört, zum gemeinsamen Tee eingeladen.

 

Safwan, die letzte Stadt im Irak vor der Grenze nach Kuwait

Safwan ist unsere letzte Destination. Durch Zufall lernen wir die Familie des Bürgermeisters kennen und und werden, wie schon so oft, eingeladen zum abendlichen Essen. Und natürlich werden wir nachts von der Polizei bewacht, die um unser Wohl und Sicherheit bemüht ist.

Fazit:

Aus den ursprünglich geplanten 3-4 Tagen Transit durch den Irak sind drei Wochen Aufenthalt in unterschiedlichsten Gegenden mit all ihren fantastischen Menschen geworden. Nie haben wir uns unsicher gefühlt, geschweige denn nicht willkommen. Das Gegenteil war der Fall. Die Gastfreundschaft, die Offenheit und die Hilfsbereitschaft sind nicht zu übertreffen. Jedoch unterscheidet sich Kurdistan Irak doch erheblich von Federal Irak. Der europäische Tourismus ist im Irak nahezu unerschlossen. Eine Reise nach Kurdistan ist absolut empfehlenswert und eine Reise wert. Federal Irak hat eine deutlich schlechtere Infrastruktur und ist für den gewöhnlichen Tourismus nicht wirklich zu empfehlen.

 

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