Marokko | Teil 7 – von Süden nach Norden

Reise nach Marokko | Teil 7  – Fahrt zurück durch Marokko von Süden nach Norden entlang am Atlantik:   

 

Sidi Ifni – Legzira – Nid d’Aigle – Tifnit – Agadir – Paradiestal – Imouzzer – Imsouane – Essaouira – Safi – Oualidia – El Jadida – Rabat – Tanger Med  

Februar/März 2024:

Wir tingeln gemütlich gen Norden an der Küste entlang. Die Gegend wirkt touristischer und europäischer Standard wird zur Gegenwart. Häufig wurden wir gewarnt, nicht frei zu stehen. Die Gendamerie würde uns vertreiben. Doch als wir uns die Campingplätze anschauen, gefallen uns die allerwenigsten. Fast immer stehen wir in der Natur, oft völlig alleine und losgelöst von den Menschenansammlungen. An dieses Leben haben wir uns zu sehr gewöhnt. Das enge Aufeinander sein übt auf uns keinen großen Reiz aus, wenngleich wir gerne Kontakt zu anderen Reisenden hätten. So ist doch die Welt der Wohnmobilisten eine völlig andere als die der Weltreisenden, wie es zum Beispiel in Mauretanien war. Dort gab es nur noch die Langzeit-Reisenden, die man auch nur selten angetroffen hat. Ein Kontakt war von beiden Seiten schnell hergestellt und auch erwünscht. Daher suchen wir sehr oft abgelegene Plätze mit fantastischer Aussicht oder wir werden in abgelegenen Dörfern zum Essen eingeladen und überredet, doch bitte auch über Nacht zu bleiben. Diese Erfahrungen lieben wir und es ist das, was wir suchen! Jeder Tag verläuft anders, als wir uns das morgens noch so vorgestellt haben.

Pech haben wir mit unserem Dieseltank. Vor wenigen Tagen geschweisst, fängt dieser wieder an zu tropfen. Dieses Mal steuern wir einen Campingplatz bei Tifnit an, da wir dort Hilfe finden, um unser Problem zu lösen. Einen ganzen Tag müssen wir opfern für eine erneute Reparatur. Dieses Mal haben wir ein besseres Gefühl als beim ersten Mal. Da wurde leider gepfuscht. Erfahrungen, auf die man gerne verzichten kann!

Nordöstlich von Agadir wird uns von Nadine, die wir in Mauretanien kennen gelernt haben, das Paradies-Tal empfohlen. Wir finden einen tollen Übernachtungsplatz abseits der Touristenströme. Am nächsten Morgen wollen wir das Tal näher erkunden, als aus einem fast schon pompösen Haus eine Stimme in akzentfreien Deutsch seine Hilfe anbietet. Es ist Ali, ein Marokkaner, der in Deutschland studiert hat und mit seiner deutschen Tochter seinen Urlaub hier bei seinen Verwandten verbringt. Obwohl wir uns überhaupt nicht kennen, bittet er uns darum seine Gäste zu sein. Es folgen wunderbare Gespräche bei Tee und Essen. Aus einer Stunde wird ein halber Tag und die Talwanderung wird kurzerhand um einen Tag verschoben.

Nach einigen Tagen im Paradies-Tal wollen wir zurück an die Atlantikküste. Wir bleiben bewusst einige Kilometer im Landesinneren, um den Wohnmobilisten zu entfliehen, als wir eine kleine Piste entdecken, die einen Berg hinauf zu einem Dorf führt. Am Ortsrand angekommen, werden wir von Kindern umzingelt und neugierige Blicke lassen erahnen, was in den kleinen Kinderköpfen sich so abspielt. Wieder werden wir eingeladen zu Speis und Trank. Mit Händen und Füßen und mit Hilfe des Google-Übersetzers führen wir ein Gespräch. Wir werden zum Übernachten fast schon genötigt, lehnen aber dankend ab. Karli will nicht alleine sein. Ob es so etwas auch in Deutschland gibt? Die Gastfreundschaft erreicht ihren  Höhepunkt!

Essaouira, eine vielbesuchte Stadt westlich von Marrakesch, macht uns neugierig. Wir verbringen zwei Tage und fahren weiter nach Safi. Hier gibt es viele Manufakturen, vor allem Töpfereien, die in aller Welt bekannt sind. Wir laufen durch die Kasbah von Safi und wundern uns, daß ein deutsch sprechender Marrokaner in gebührender Distanz uns begleitet und ungefragt Auskunft über die Gegebenheiten dieser Stadt gibt. Als er uns seine Töpferei zeigen will, ist klar, welches Ziel dieser Herr hat. Aus Anstand folgen wir, und tatsächlich verlassen wir diese Stadt mit zwei Taschen handgefertigter Töpferei-Kunststücken. 

Wir folgen der Küstenstrasse nach Norden und besuchen Rabat, die Hauptstadt von Marokko. Dort einen Parkplatz zu finden, grenzt an ein Wunder. Wir bitten einen gelangweilten Parkplatzwächter um Hilfe. Prompt weist er uns einen Platz auf einer Anhöhe eines Parkplatzes zu. Die Stadt liegt zur linken, das rauschende Meer zur rechten. Das Leben kann manchmal so einfach sein!

Und dann ist da noch Frau Capitano. Der Wunsch nach einem Friseur wird zum Tagesgebet. Und natürlich ist der Capitano bemüht, diesem Wunsch gerecht zu werden. Wir finden einen Salon. Mindestens einen Tag Wartezeit ist die Auskunft und erinnert uns an europäische Verhältnisse. Wir beschreiben unsere Situation und erklären, daß wir Weltreisende sind. Es entstehen heftige Diskussionen unter den Kunden. Einige Telefonate nehmen ihren Lauf und eine halbe Stunde später sitzt Frau Capitano in einem Frisiersessel und fühlt sich pudelwohl! 🤣

Wir nähern uns dem Mittelmeer. Folgt man der Küstenstraße nach Norden, wimmelt es nur so von Wohnmobilen. Nicht ganz nach unserem Geschmack. Wir entscheiden uns etwas mehr im Landesinneren zu fahren, als wir auf einer Anhöhe eine kleine Siedlung entdecken. Dort könnte ein idylischer Übernachtungsplatz sein. Bis vor kurzem hat es hier geregnet und die Zufahrtswege sind nicht ganz einfach zu befahren. Der Capitano läuft sicherheitshalber die Piste zu Fuß ab, um sicher zu gehen, daß Karli das auch schafft. „Kein Problem“ lautet die Antwort. Kurze Zeit später sucht sich Karli mit eingelegter Sperre und Untersetzung stoisch seinen Weg. An einer Spitznadelkehre, an der zuvor Baufahrzeuge einen Graben ausgebaggert haben, gibt der Boden nach. Karli bricht ein, und wir stecken wieder einmal bis zur Hinterachse fest. Uns bleibt fast das Herz stehen. Einwohner eilen heran. Die Einheimischen telefonieren untereinander und wollen helfen. Die Sandbleche werden abgeschraubt und kommen zum Einsatz. Nach einer halben Stunde Arbeit kommen wir frei, stoßen zurück und hängen zehn Meter weiter wieder fest. Die Enttäuschung steht uns in den Gesichtern. Die Dämmerung naht. Wir schaffen, schaufeln, unterbauen mit Steinen und arbeiten unermüdlich. Nach einer weiteren halben Stunde kommen wir mit Hilfe der hier lebenden Bauern wieder frei. Erleichtert steuern wir unseren auserkorenen Platz an. So ist es, wenn man sich zu sicher fühlt. Oft kommt es anders als man denkt. Europa kommt in Sichtweite.

Marokko | Teil 6 – Fahrt nach Norden durch West-Sahara und den Süden von Marokko

Reise nach Marokko | Teil 6  – Fahrt nach Norden durch West-Sahara und den Süden von Marokko:

Grenze – Lamhiriz – El Argoub – Boujdour – Tan-Tan – Ksar Tafnidilt – Guelmim – Vallée Abaynou

Februar 2024:

Wir nähern uns der mauretanisch-marokkanischen Grenze von Nouakchott kommend mit etwas Herzklopfen. Haben wir bei dem Grenzübergang in die andere Richtung vor einigen Wochen doch fast 10 Stunden gebraucht. Überraschenderweise läuft jetzt alles umso reibungsloser. Nach nur 2 1/2 Stunden haben wir die vielen Kontrollen einschließlich Röntgen von „Karli“, Drogenkontrolle und vieles andere glücklich überstanden. In West-Sahara oder besser Süd-Marokko gibt es nicht viel zu sehen. Dafür ist die Verbindungsstraße nach Norden richtig gut zu befahren. Wir übernachten häufig bei Fischerorten und essen auch des öfteren Fisch, oder in diesem Fall einen Tintenfisch. In El Argoub erwischt es mich. Schon nachts spüre ich, daß etwas nicht stimmt. Erste Spekulation meiner lieben Ehefrau: Überfressen mit „Ritter Sport“. Mit Ritter Sport überfressen – niemals! Die Abfahrt nach Norden wird unterbrochen durch mehrere Zwangspausen, bei denen es zu einem Wiedersehen mit dem abendlichen Mahl kommt. Also doch nicht die „Ritter Sport“. Daß man immer die Schuld auf das alt Bewährte schieben muss! 🤩

Und ein Unglück kommt selten allein. Bei meinem morgendlichen Check um Karli fällt mir auf, daß Diesel aus dem Zusatztank tropft. Wir suchen so schnell wie möglich die nächstgrößere Stadt auf – Boujdour. Zwei Jungs auf einem Moped sind behilflich und führen uns zu diversen Werkstätten. Bei der vierten haben wir dann Glück und der Ausbau kann beginnen. Zuvor Diesel abpumpen, Tank ausbauen, Alu schweissen und das Ganze dann wieder in umgekehrter Reihenfolge einbauen. Nach fünf Stunden schwerer Arbeit werden wir im Dunkeln fertig und man erriecht, welche Arbeit wir verrichtet haben. Der Capitano bekommt Wohnverbot. Eine Grundreinigung seiner Person ist mehr als überfällig. Wir sind todmüde, doch die Reise kann weiter gehen.

Als Flieger wollen wir unbedingt das Museum von dem Piloten und Autor (Der kleine Prinz), Antoine de Saint Exupery, in Tarfaya besuchen.

Wir wollen uns mit Freunden  (Martina und H.P.) auf einem Campingplatz am Fort Tafnidilt in der Nähe von Tan-Tan treffen. Eine steinige Piste, die auf die letzten Kilometer immer sandiger und weicher wird, führt uns zu unserem Ziel. Ohne Zwischenfälle schaffen wir es gerade eben so dort anzukommen. Was dann folgt ist ein herzliches Wiedersehen, gute Gespräche, und zwei Tage Sandsturm. Nach diesen zwei Tagen sind wieder 8 km Piste zur Asphaltstrasse zu fahren. Sandverwehungen sind keine Seltenheit. Die ersten können wir noch bezwingen. Doch bei der letzten erwischt es uns kalt. H.P. kommt mit seinem 10-Tonner noch gut durch, wir dagegen bleiben stecken. Schaufeln ist angesagt. Die Luft wird mehr als die Hälfte abgelassen, doch Karli fühlt sich in diesem Sandhaufen pudelwohl. Rien ne va plus – nichts geht mehr! Das Bergematerial wird ausgepackt und nach einigen Diskussionen über die Vorgehensweise beim Abbergen, schaffen wir es nach dem dritten Anlauf frei zu kommen. Sand fahren war noch nie die Stärke von „Karli“. Aber wir sind wieder fahrbereit! 👍

Marokko | Teil 4 – Fahrt durch die Westsahara

Reise nach Marokko | Teil 4 – Fahrt durch die Westsahara:

Tan-Tan – Tarfaya – Laayoune – Foum El Oued – Dakhla – Guerguerat (Grenze zu Mauretanien)   

Januar 2024:

Unser Ziel ist die Westsahara. Was vor einigen Jahren noch ein eigenständiger Staat war, gehört nach vielen Querelen und militärischen Scharmützeln zwischenzeitlich zu Marokko. Dies zeigt sich vor allem an den vielen Kontrollposten, die entlang der Küstenstraße in regelmäßigen Abständen kontrollieren.

Unser erstes Ziel in der Westsahara ist Tarfaya. Dort gibt es das Museum von Antoine de Saint Exupery, ein Flieger und damaliger Flugplatzchef von dieser Kleinstadt. Von ihm stammt die Geschichte vom „kleinen Prinz“.

Und man macht natürlich so seine Erfahrungen. Spät abends in der Dämmerung werden wir von unserer ersten Kontrolle angehalten. Als ich die Scheibe herunter lasse, vernehmen wir einen unangenehmen Geruch nach altem Fisch. Und dann redet dieser Herr in Camouflage-Bekleidung auch noch dauernd von „Fish“. Ich lehne dankend ab und und gebe zu verstehen, daß wir keinen Fisch kaufen wollen und daß er diesen selber essen kann. Die Scheibe geht nach oben und der Capitano setzt unbeirrt seine Fahrt fort. Corinne zuckt zusammen und erklärt mir, daß dies ein Dokument sei mit der Angabe von persönlichen Daten. Man kann ja nicht alles wissen…😉

Frei stehen ist hier nur noch selten der Fall. Es gibt ausgewiesene Stellplätze, bei denen sich die „Overlander“ treffen. So können wir der vorausgegangen Zweisamkeit eine Ende setzen durch Gespräche mit vielen interessanten Leuten, die es wie uns in die große weite Welt zieht.

Eine einzige Strasse führt von Nord nach Süd durch die Westsahara. Wer glaubt, diese sei stark frequentiert, der irrt. Nur alle halbe Stunde begegnen wir einem Fahrzeug, häufig Militär. Auf Menschen treffen wir nur noch in den Städten. Dafür sieht man Sand, Sand und nochmals Sand. Die Einöde wird unterbrochen von Sanddünen, Steinwüsten, und vereinzelten Nomaden mit ihren Kamelherden. Unvorstellbar, von was diese Menschen hier leben. Dakhla und Laayoune, das sind die größten Städte. Hier bunkern wir Lebensmittel, Wasser, machen Wäsche und bringen alles auf Vordermann, bevor wir die letzten Kilometer Richtung Mauretanien zurücklegen. Der Friseur wird aufgesucht von Madame Corinne, während der Capitano bei diesem auf Unverständnis stößt. Hat man da noch Worte! 🤣

Marokko | Teil 3 – Marokko: vom Nordosten übers Atlas-Gebirge und Anti-Atlas nach Südwesten

Reise nach Marokko | Teil 3 – Marokko – vom Nordosten durchs Atlas-Gebirge in den Südwesten

Tanger Med – Chefchaouen – Rif-Gebirge – Tazekka-Nationalpark – Atlas-Gebirge – Anti-Atlas – Tafraoute – Guelmim    

Im Rücken Europa, vor uns Afrika: so beginnt und endet die Überfahrt von Spanien nach Afrika.

Und wie geht es  überhaupt weiter, fragen wir uns? Wir fahren an der Nordostküste von Marokko entlang und empfinden alles so ganz und gar nicht afrikanisch. Das soll Marokko sein? Alles blitzblank sauber, fast food an jeder Ecke. Touri-Schnäppchenangebote säumen die Strassen. Eigentlich alles viel zu europäisch und zu wenig spektakulär. Wir verwerfen unsere Planung kurzerhand und entschließen uns, das Rif-Gebirge anzusteuern. Deutsche Touris warnen uns. Ihr werdet schon sehen, auf was ihr euch da einlasst. Dort gibt es nur Rauschgiftdealer. Dort fahren Touristen besser nicht hin. Und das sagen die einem Capitano, der alkoholabstinent ist, noch nie eine Zigarette geraucht hat und bei dem Wort „Rauschgift“ hyperventiliert. Aber das Unbekannte lockt. Daher nichts wie hin.

Chefchaouen ist unsere erste Stadt, die wir besichtigen. Meinen Chef habe ich nicht gefunden, dafür aber eine Stadt mit engen, heimeligen Gassen, vielen Verkaufsläden, Restaurants, Cafes und einem fantastischen Flair. Immer wieder einen Besuch wert. Dass die alle Häuser blau anmalen, ist keine Modeerscheinung, sondern soll die Hitze in den warmen Monaten abhalten.

Euphorisch fahren wir die nächste Stadt an: Taounate. Beim Suchen nach einem Übernachtungsplatz spät abends in der Dämmerung haben wir die Idee, an einer Außenmauer zu dem Park eines Gouverneurs zu nächtigen. Natürlich haben wir vorher den uniformierten Nachtwächter um Erlaubnis gefragt. Wir fühlen uns sicher, sitzen beim Abendessen und schauen gerade den „Bergdoktor“, als es klopft und wir höflichst gebeten werden diesen Platz zu verlassen. Man könne uns keine Sicherheit zugestehen, der Platz sei zu gefährlich. Aber deshalb stehen wir doch bei Euch, daß ihr auf uns aufpasst, entgegne ich, immerhin habt ihr doch den Colt um den Bauch gewickelt. Nein, alle Argumente sind null und nichtig. Eine Eskorte wird Euch zu einem sicheren Platz begleiten. Die Eskorte waren dann ein Moped mit zwei undurchsichtigen Gestalten. Der ÜN-Platz eine Tankstelle, in dessen Nachbarschaft die Müllabführ ein und aus geht. Das nennt man marokkanisches Mobbing… 😏

Am nächsten Tag fliehen wir von Taounate  in Richtung Tazekka Nationalpark. Unterwegs werden wir tatsächlich sehr oft gebeten anzuhalten, um Haschisch zu kaufen. Wir sehen vielleicht aus wie die 68er Generation, sind es aber nicht. Raucht Euer Zeug ohne uns.

Wir erreichen den Nationalpark, finden tolle einsame und unbeschreiblich schöne Natur und Plätze vor. Das entschädigt für vieles. Eine wunderbare Zeit.

Wir lesen, daß die Grotte von Friouato die größte von Nordafrika sein soll. Dinosaurierskelette wurden dort gefunden. Entsprechend groß ist unsere Erwartungshaltung. Als wir dort ankommen, erwartet uns eine riesige Baustelle. Geschlossen wegen Renovierungsarbeiten. Ein Aufpasser in einem Nachtwächterhäuschen beobachtet uns und bietet seine Dienste an, der Preis wird ausgehandelt. Am Eingang gibt es zur Sicherheit die Schutzhelme, Lampen bringen wir selber mit, und auf die Frage wann die Führung denn nun los geht, werde kurzerhand ich zum Führer ernannt. Das ist also die marokkanische Führung. Der „Nachtwächter“ gibt mir noch einige Tipps und erwartet uns in einer Stunde wieder am Einstieg.

Etwas mulmig und gaaaanz vorsichtig tasten wir uns in diese schon mystisch wirkende Grotte. Den Dino haben wir nicht gefunden, aber ein tolles Erlebnis. Mutterseelenallein in dieser riesigen Höhle – schon etwas gruselig. Auf die Frage warum die Grotte denn renoviert werden müsse, kommt die Antwort: aus Sicherheitsgründen, da vor einigen Jahren eine Touristin ums Leben kam. Gut, daß meine Führung bereits beendet ist.

Viele haben uns gewarnt, im Winter den Hohen Atlas zu befahren. Schnee, Eis und Geröll-Lawinen lassen diese Gebiete unpassierbar werden. Doch wir haben Glück. All das ist nicht eingetroffen. Wir lassen uns Zeit den Mittleren Atlas auszukundschaften, – selbst der Hohe Atlas zeigt uns sein schönstes Gesicht. Wir bewegen uns in hochalpinen Gegenden. Nahezu alleine, lediglich die Nomaden mit ihren Ziegen, Lämmern und Eseln vergolden uns die Zeit mit ihrer Gastfreundschaft. Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein. Die Behausungen werden uns gezeigt. „Einfach“ ist maximal übertrieben. Für uns Europäer unvorstellbar, von was und wie diese Menschen hier leben. Und trotz aller Einfachheit werden wir zum Tee eingeladen und genießen die marokkanische Gastfreundschaft.

Auch „Karli“ verrichtet ganz zu unserer Zufriedenheit seine Dienste. Oft sind die geteerten Strassen „ausgefranst“, werden schmäler und sind zusätzlich unterbrochen von eingebrochenen Brücken über ausgetrockneten Flüssen. Immer wieder ist die Fahrbahn durch Regenfälle verursachte Furchen und Schlaglöcher fast unpassierbar. Hier sind wir froh, ein geländegängiges Fahrzeug zu haben. Für Wohnmobilisten ohne Allrad und Bodenfreiheit unmöglich. Einerseits ist diese Zweisamkeit ungewohnt, andererseits lernen wir damit umzugehen und respektieren die Natur mit all ihren Facetten.

Und so fahren wir von der Stadt Missour nach Er-Rich und besuchen in deren Nähe eine Palmen Oase. Kurz vor dem höchsten Pass Tizi-n-Ouano oberhalb der bekannten „Dades Schlucht“ übernachten wir bei Abdou, dem Besitzer einer kleinen Auberge, in 2.600 m. Es ist das erste Mal seit vielen Wochen, daß wir nicht alleine in der Wildnis übernachten.

Die Dades Schlucht ist bezaubernd, erfordert sie dennoch einiges an fahrerischem Geschick aufgrund der Pisten und Strassenverhältnisse. Silvester steht vor der Tür, daher entschließen wir uns einen Campingplatz aufzusuchen. Genug Zweisamkeit durchlebt. Menschen um sich zu haben, tut auch mal wieder gut. Wir treffen zwei belgische Paare mit ihren Kindern und ihren off-road Fahrzeugen und feiern in das Neue Jahr.

Mittlerer Atlas, hoher Atlas, und jetzt sind wir am Fuße vom Anti-Atlas. Bisher kannte ich lediglich den Welt-Atlas von Diercke. Wir fahren weiter nach Tachakchte, über den Pass Tizi Touggoukine. Übernachten an vielen einsamen Plätzen und genießen unser Leben. Weiter über AskaounTaliouine und Igherm bis zu dem Dorf Isil. Als wir uns dort die Beine vertreten, sehen wir dieses Dorf, das halb zerstört vor uns liegt. Hier hat das Erdbeben im September 2023 gewütet. Neugierig laufen wir in die Dorfmitte, als wir Kinderstimmen hören. Einige von ihnen spielen dort und nehmen uns augenscheinlich wahr. Neugierde und Ängstlichkeit spiegeln sich in ihren Gesichtern. Als wir näher kommen, rennen sie hinter die nächsten Häuserfassaden und rufen ihre Eltern zu Hilfe. Touristen, Weltreisende wie wir, sind in dieser Gegend fremd. Wir werden begutachtet, berührt, als ob wir von einem anderen Stern kommen. Eine Frau lädt uns zum Tee ein. Es ist Fatima, ihr Mann ist gerade auf dem Markt und sie hütet mit ihrem Sohn das Haus. Ihr altes Zuhause fiel dem Erbeben zum Opfer. Stolz zeigt sie uns ihr neues Haus, nicht vergleichbar mit europäischem Standard. Umso herzlicher die Einladung. Würden wir Deutsche marokkanische Nomaden einfach so einladen? Nachdenklich schauen Corinne und ich uns in die Augen…

Wir waren lange alleine unterwegs. Es zieht uns wieder zu den Menschen. In Tafraoute soll es einen riesigen Womo-Stellplatz geben. Dort erwartet uns eine gute Infrastruktur. Doch zuvor besuchen wir noch die Oase Ait Mansour und befahren am nächsten Tag eine schmale, steile Piste zu dem Ort Anirgui. Nur selten findet ein Fahrzeug den Weg in dieses Bergdorf. Herzlich werden wir von den Kindern empfangen. Wir übernachten an der einzigsten Moschee, wo ein Wenden unseres Fahrzeuges überhaupt möglich ist. Als wir am nächsten Morgen los fahren, rutsche ich bei einer engen Kurve mit dem Hinterreifen in einen Graben. Der Koffer pendelt nach rechts und schlägt an einen Stein. Mir stockt der Atem. Glück im Unglück. Die Airline Schiene hat die Wucht des Aufpralls abgefangen. Zwei kleine Löcher müssen dann in Deutschland repariert werden. Das ist der Preis, den man bezahlt bei solchen Abenteuern.

In Tafraoute beziehen wir einen riesigen Stellplatz. Hier treffen sich die Wohnmobilisten, Camper und Weltreisende mit ihren Trucks. Informationen werden ausgetauscht. Es wird nicht langweilig. Wir besuchen Sehenswürdigkeiten, bereiten Karli vor und überlegen, wie wir die weitere Reise gestalten. Die Westsahara ruft.

Auf dem Weg in die Westsahara kommen wir durch die Stadt Guelmim. Wir lesen etwas von einem Kamelmarkt. Hört sich doch interessant an. Also wird hier übernachtet. Und tatsächlich, auf einem Innenhof in einer Karawanserei sammeln sich Herden von Ziegen, Schafen, Kamelen und werden angepriesen. Dann werden wir auf deutsch angesprochen. Es ist Bekir, ein Kamelverkäufer, der sieben Jahre in Deutschland gearbeitet hat. Und dann auch noch in der Pfalz. Speyer ist ihm bestens vertraut – meine Geburtsstadt. Als ich auf seine Preisvorstellungen nicht eingehe, schlägt er mir einen Tauschhandel vor. Und wie soll der aussehen? Seine Augen wandern zu Corinne und dann zu mir. Dein „Täubchen“ für mein Kamel. Und das meint der wohl im Ernst. Bei aller Liebe, kann Dein Kamel etwa kochen, navigieren, einkaufen, und die vielen anderen Dinge? „Unverkäuflich“ ist die kurze und schnelle Antwort. Wir verlagern unseren Schwerpunkt zur Markthalle, in der Gemüse, Obst und allerlei Sachen verkauft werden. Hier kommt hoffentlich keiner auf solch abtrünnige Gedanken. Was würden meine Freunde sagen, wenn ich mit Karli und einem Kamel nach Deutschland käme. Ein außergewöhnlicher Tag. Das ist Afrika!