Marokko | Teil 5 – Fahrt durch Mauretanien

Reise nach Marokko | Teil 5  – Fahrt durch Mauretanien:

Nouadhibou – Chami – Akjoujt – Atar – Chinguetti – Nouakchott – Nationalpark Banc d’Arguin – Grenze bei Boulenouar    

Januar/Februar 2024:

An einer Tankstelle unmittelbar vor der Grenze zu Mauretanien verbringen wir die letzte Nacht. Am nächsten Morgen erwartet uns eine Schlange von Fahrzeugen und LKW`s, die etwa 100 m lang ist. Noch sind wir optimistisch.

Doch es kommt meistens anders, als man denkt. Knapp 3 Stunden Mittagspause gönnen sich die marokkanischen Grenzbeamten. Wir machen mit, ob wir wollen oder nicht. Zwischenzeitlich sind knapp 6 Stunden vergangen. Röntgen von Karli, Drogenkontrolle und ich bekomme feuchte Hände vom vielen Zeigen der Pässe, Fahrzeugschein, und was die sonst noch so wollen.

Doch dann geht es endlich durch das Niemandsland. Man warnt uns, die Straße nicht zu verlassen, da links und rechts alles vermint ist. Hamid, ein sogenannter „Schleuser“, ist uns auf der mauretanischen Seite für ein geringes Entgelt behilflich. Sich alleine zurecht zu finden ist fast nicht möglich.  Es vergehen weitere 2 Stunden. Unsere Nerven sind zwischenzeitlich nicht mehr die besten, als ein Grenzbeamter am letzten Schlagbaum vor der Einreise zu Mauretanien die Kfz-Versicherung verlangt. Unsere hoch offizielle von Deutschland ausgestellte und in französisch geschriebene Bestätigung wird nicht akzeptiert. Aggressiv und pampig wird uns erklärt, daß wir nicht passieren dürfen, bevor wir nicht eine mauretanische Versicherung abgeschlossen haben. Der Capitano steigt aus und spricht ein Machtwort. Man schickt uns wieder zurück in ein Office. Pässe und Fahrzeugschein haben die Mauretanier. Die Stimmung ist aufgeheizt, und mit uns stehen hier 10 weitere Personen aus aller Herren Länder. Das Chaos ist perfekt.

Wir versuchen, dem Beamten unsere Position und Argumente zu erklären, als dieser plötzlich den Bildschirm ausschaltet, den Stuhl zur Seite schiebt, einen Teppich ausbreitet und sich kniend vor mir verbeugt. Mir ist das fast schon peinlich, bitte ihn doch aufzustehen. Ist doch alles gar nicht so schlimm. Erst jetzt merke ich, der betet, und das mitten in der Rush hour. Zwei weitere Muslime machen mit. Und wir stehen inmitten dieser vollkommen fremden Welt, schauen in den Himmel und hoffen, daß egal wer da oben uns beisteht.

Wir bleiben standhaft, verlangen unsere Pässe und erklären, daß wir wieder ausreisen wollen und die Heimfahrt nach Deutschland antreten werden. Man vertröstet uns. Die mauretanische Ehre ist angegriffen. Nach einer weiteren Stunde bekommen wir einen offiziellen Passierschein und dürfen nach etwa 10 Stunden Aufenthalt an der Grenze nach Mauretanien einreisen. Inschallah!

Nach dem Chaos an der Grenze müssen wir uns erholen. In den zwei Tagen in der Nähe von Nouadhibou wird überlegt. 400 km Piste zu fahren bei Sandsturm oder 150 km mehr, aber dafür auf Asphalt. Eine alte Overlander Regel besagt: nehme immer den einfachen Weg, auch wenn dieser länger ist. Diese Regel hilft uns bei der Entscheidungsfindung, obwohl wir auf der scheinbar leichteren Strecke häufig pistenähnliche Zustände antreffen. 2 Tage anstrengendes Fahren und wir sind in Atar. Angeblich eine Großstadt. Wir queren diese in 10 Minuten von Ost nach West und dann von Nord nach Süd. Und das war’s. Was bleibt, sind bleibende Eindrücke vom Markt und den einfachen und armen, aber sehr hilfsbereiten Menschen. Vollkommen anders als in Marokko. Ein mentales Umdenken ist erforderlich. Wir sind im tiefsten Afrika.

Von Atar wollen wir nach Chinguetti, eine Stadt, die immer wieder von vielen  Sandstürmen verschüttet wird und bereits dreimal neu erbaut wurde. Straßen dorthin gibt es keine, dafür Wellblechpisten in ausgeprägtester Form. Man empfiehlt uns, einen „Hilux“ mit einem mauretanischen Fahrer zu mieten. Gute Bandscheiben und ein robuster Magen sind erforderlich. Zwischendurch machen wir eine Teepause. Ahmed, unser Fahrer, und ich suchen Holz, Geäst, um ein Feuer in der Wüste zu entfachen. Währenddessen ist Ahmed verschwunden. Nach einigen Minuten finde ich ihn sitzend hinter einem kleinen Steinhügel, Ich mache mir Sorgen und frage, ob es ihm gut geht. Ein verschmitztes Grinsen ist die Antwort, als unter seinem „Bou Bou“ ein Rinnsal sich seinen Weg sucht. Ich verstehe, stelle keine weiteren Fragen und mache mir dazu so meine Gedanken.

Die Menschen in Chinguetti sind bettelarm. Ihren Lebensunterhalt verdienen sie mit  Viehwirtschaft und etwas Tourismus. Die meiste Zeit verbringen sie in ihren Lehmhütten. Temperaturen bis zu 50 Grad sind im Sommer keine Seltenheit. Elektrizität, Kanalisation und all das, was wir Europäer tagtäglich als selbstverständlich ansehen, sind hier die Ausnahme.

Es folgt der Besuch von Sanddünen, soweit das Auge reicht. Oasen gibt es wenige, Wasser ist Mangelware. Doch ein Besuch lohnt sich! Es ist wie in 1001 Nacht. Als wir nach 2 Tagen wieder nach Atar in unser Camp zurückkehren, hat sich die Dorfjugend versammelt. Eine Theatervorführung ist angekündigt. Jeder hat seinen Spaß, egal welche Hautfarbe, Sprache oder Nationalität er hat. Auch das ist Afrika.

Nach mehreren Tagen in Atar fahren wir weiter nach Nouakchott, der Hauptstadt Mauretaniens. Dort muss man sich den Fischmarkt anschauen. Den Größten, den wir jemals gesehen haben. Fischfang ist hier die Haupteinnahmequelle. Westafrika hat eine der fischreichsten Gewässer dieser Welt. Fisch zu kaufen, was das Herz begehrt, ist ein Erlebnis. Aber auch hier muss man wissen, was die marktüblichen Preise sind. Handeln ist hier üblich und der ein oder andere versucht, die Unwissenheit der Touristen auszunutzen. Wir verbringen viel Zeit damit, den Fischern bei ihrem Fischfang zuzuschauen. Langweilig wird es hierbei nie!

Auf dem Weg von der Hauptstadt zur nördlichen Grenze besuchen wir den Nationalpark Banc d*Arguin. Hier übernachten wir am Meer bei einem Fischerdorf. Zuvor stoppt  ein Schwarzafrikaner mit einem Uralt-Mercedes und steigt aus, als sich sein Fahrzeug verselbständigt und die Dünen hinunter rollt. Aufgeregt zeige ich auf sein Fahrzeug. Dieser winkt ab und gibt mir zu verstehen, daß die Handbremse schon lange nicht mehr geht. An einem größeren Grasbüschel kommt der Mercedes zum Stehen. Anschließend gibt der Schwarzafrikaner mir zu verstehen, daß ich ihn doch einfach mit meinem Fahrzeug abbergen soll. Abschleppseil oder ähnliches hat er nicht. Das überlässt er alles mir. Andere Länder, andere Sitten! 😄

 

Marokko | Teil 4 – Fahrt durch die Westsahara

Reise nach Marokko | Teil 4 – Fahrt durch die Westsahara:

Tan-Tan – Tarfaya – Laayoune – Foum El Oued – Dakhla – Guerguerat (Grenze zu Mauretanien)   

Januar 2024:

Unser Ziel ist die Westsahara. Was vor einigen Jahren noch ein eigenständiger Staat war, gehört nach vielen Querelen und militärischen Scharmützeln zwischenzeitlich zu Marokko. Dies zeigt sich vor allem an den vielen Kontrollposten, die entlang der Küstenstraße in regelmäßigen Abständen kontrollieren.

Unser erstes Ziel in der Westsahara ist Tarfaya. Dort gibt es das Museum von Antoine de Saint Exupery, ein Flieger und damaliger Flugplatzchef von dieser Kleinstadt. Von ihm stammt die Geschichte vom „kleinen Prinz“.

Und man macht natürlich so seine Erfahrungen. Spät abends in der Dämmerung werden wir von unserer ersten Kontrolle angehalten. Als ich die Scheibe herunter lasse, vernehmen wir einen unangenehmen Geruch nach altem Fisch. Und dann redet dieser Herr in Camouflage-Bekleidung auch noch dauernd von „Fish“. Ich lehne dankend ab und und gebe zu verstehen, daß wir keinen Fisch kaufen wollen und daß er diesen selber essen kann. Die Scheibe geht nach oben und der Capitano setzt unbeirrt seine Fahrt fort. Corinne zuckt zusammen und erklärt mir, daß dies ein Dokument sei mit der Angabe von persönlichen Daten. Man kann ja nicht alles wissen…😉

Frei stehen ist hier nur noch selten der Fall. Es gibt ausgewiesene Stellplätze, bei denen sich die „Overlander“ treffen. So können wir der vorausgegangen Zweisamkeit eine Ende setzen durch Gespräche mit vielen interessanten Leuten, die es wie uns in die große weite Welt zieht.

Eine einzige Strasse führt von Nord nach Süd durch die Westsahara. Wer glaubt, diese sei stark frequentiert, der irrt. Nur alle halbe Stunde begegnen wir einem Fahrzeug, häufig Militär. Auf Menschen treffen wir nur noch in den Städten. Dafür sieht man Sand, Sand und nochmals Sand. Die Einöde wird unterbrochen von Sanddünen, Steinwüsten, und vereinzelten Nomaden mit ihren Kamelherden. Unvorstellbar, von was diese Menschen hier leben. Dakhla und Laayoune, das sind die größten Städte. Hier bunkern wir Lebensmittel, Wasser, machen Wäsche und bringen alles auf Vordermann, bevor wir die letzten Kilometer Richtung Mauretanien zurücklegen. Der Friseur wird aufgesucht von Madame Corinne, während der Capitano bei diesem auf Unverständnis stößt. Hat man da noch Worte! 🤣

Marokko | Teil 3 – Marokko: vom Nordosten übers Atlas-Gebirge und Anti-Atlas nach Südwesten

Reise nach Marokko | Teil 3 – Marokko – vom Nordosten durchs Atlas-Gebirge in den Südwesten

Tanger Med – Chefchaouen – Rif-Gebirge – Tazekka-Nationalpark – Atlas-Gebirge – Anti-Atlas – Tafraoute – Guelmim    

Im Rücken Europa, vor uns Afrika: so beginnt und endet die Überfahrt von Spanien nach Afrika.

Und wie geht es  überhaupt weiter, fragen wir uns? Wir fahren an der Nordostküste von Marokko entlang und empfinden alles so ganz und gar nicht afrikanisch. Das soll Marokko sein? Alles blitzblank sauber, fast food an jeder Ecke. Touri-Schnäppchenangebote säumen die Strassen. Eigentlich alles viel zu europäisch und zu wenig spektakulär. Wir verwerfen unsere Planung kurzerhand und entschließen uns, das Rif-Gebirge anzusteuern. Deutsche Touris warnen uns. Ihr werdet schon sehen, auf was ihr euch da einlasst. Dort gibt es nur Rauschgiftdealer. Dort fahren Touristen besser nicht hin. Und das sagen die einem Capitano, der alkoholabstinent ist, noch nie eine Zigarette geraucht hat und bei dem Wort „Rauschgift“ hyperventiliert. Aber das Unbekannte lockt. Daher nichts wie hin.

Chefchaouen ist unsere erste Stadt, die wir besichtigen. Meinen Chef habe ich nicht gefunden, dafür aber eine Stadt mit engen, heimeligen Gassen, vielen Verkaufsläden, Restaurants, Cafes und einem fantastischen Flair. Immer wieder einen Besuch wert. Dass die alle Häuser blau anmalen, ist keine Modeerscheinung, sondern soll die Hitze in den warmen Monaten abhalten.

Euphorisch fahren wir die nächste Stadt an: Taounate. Beim Suchen nach einem Übernachtungsplatz spät abends in der Dämmerung haben wir die Idee, an einer Außenmauer zu dem Park eines Gouverneurs zu nächtigen. Natürlich haben wir vorher den uniformierten Nachtwächter um Erlaubnis gefragt. Wir fühlen uns sicher, sitzen beim Abendessen und schauen gerade den „Bergdoktor“, als es klopft und wir höflichst gebeten werden diesen Platz zu verlassen. Man könne uns keine Sicherheit zugestehen, der Platz sei zu gefährlich. Aber deshalb stehen wir doch bei Euch, daß ihr auf uns aufpasst, entgegne ich, immerhin habt ihr doch den Colt um den Bauch gewickelt. Nein, alle Argumente sind null und nichtig. Eine Eskorte wird Euch zu einem sicheren Platz begleiten. Die Eskorte waren dann ein Moped mit zwei undurchsichtigen Gestalten. Der ÜN-Platz eine Tankstelle, in dessen Nachbarschaft die Müllabführ ein und aus geht. Das nennt man marokkanisches Mobbing… 😏

Am nächsten Tag fliehen wir von Taounate  in Richtung Tazekka Nationalpark. Unterwegs werden wir tatsächlich sehr oft gebeten anzuhalten, um Haschisch zu kaufen. Wir sehen vielleicht aus wie die 68er Generation, sind es aber nicht. Raucht Euer Zeug ohne uns.

Wir erreichen den Nationalpark, finden tolle einsame und unbeschreiblich schöne Natur und Plätze vor. Das entschädigt für vieles. Eine wunderbare Zeit.

Wir lesen, daß die Grotte von Friouato die größte von Nordafrika sein soll. Dinosaurierskelette wurden dort gefunden. Entsprechend groß ist unsere Erwartungshaltung. Als wir dort ankommen, erwartet uns eine riesige Baustelle. Geschlossen wegen Renovierungsarbeiten. Ein Aufpasser in einem Nachtwächterhäuschen beobachtet uns und bietet seine Dienste an, der Preis wird ausgehandelt. Am Eingang gibt es zur Sicherheit die Schutzhelme, Lampen bringen wir selber mit, und auf die Frage wann die Führung denn nun los geht, werde kurzerhand ich zum Führer ernannt. Das ist also die marokkanische Führung. Der „Nachtwächter“ gibt mir noch einige Tipps und erwartet uns in einer Stunde wieder am Einstieg.

Etwas mulmig und gaaaanz vorsichtig tasten wir uns in diese schon mystisch wirkende Grotte. Den Dino haben wir nicht gefunden, aber ein tolles Erlebnis. Mutterseelenallein in dieser riesigen Höhle – schon etwas gruselig. Auf die Frage warum die Grotte denn renoviert werden müsse, kommt die Antwort: aus Sicherheitsgründen, da vor einigen Jahren eine Touristin ums Leben kam. Gut, daß meine Führung bereits beendet ist.

Viele haben uns gewarnt, im Winter den Hohen Atlas zu befahren. Schnee, Eis und Geröll-Lawinen lassen diese Gebiete unpassierbar werden. Doch wir haben Glück. All das ist nicht eingetroffen. Wir lassen uns Zeit den Mittleren Atlas auszukundschaften, – selbst der Hohe Atlas zeigt uns sein schönstes Gesicht. Wir bewegen uns in hochalpinen Gegenden. Nahezu alleine, lediglich die Nomaden mit ihren Ziegen, Lämmern und Eseln vergolden uns die Zeit mit ihrer Gastfreundschaft. Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein. Die Behausungen werden uns gezeigt. „Einfach“ ist maximal übertrieben. Für uns Europäer unvorstellbar, von was und wie diese Menschen hier leben. Und trotz aller Einfachheit werden wir zum Tee eingeladen und genießen die marokkanische Gastfreundschaft.

Auch „Karli“ verrichtet ganz zu unserer Zufriedenheit seine Dienste. Oft sind die geteerten Strassen „ausgefranst“, werden schmäler und sind zusätzlich unterbrochen von eingebrochenen Brücken über ausgetrockneten Flüssen. Immer wieder ist die Fahrbahn durch Regenfälle verursachte Furchen und Schlaglöcher fast unpassierbar. Hier sind wir froh, ein geländegängiges Fahrzeug zu haben. Für Wohnmobilisten ohne Allrad und Bodenfreiheit unmöglich. Einerseits ist diese Zweisamkeit ungewohnt, andererseits lernen wir damit umzugehen und respektieren die Natur mit all ihren Facetten.

Und so fahren wir von der Stadt Missour nach Er-Rich und besuchen in deren Nähe eine Palmen Oase. Kurz vor dem höchsten Pass Tizi-n-Ouano oberhalb der bekannten „Dades Schlucht“ übernachten wir bei Abdou, dem Besitzer einer kleinen Auberge, in 2.600 m. Es ist das erste Mal seit vielen Wochen, daß wir nicht alleine in der Wildnis übernachten.

Die Dades Schlucht ist bezaubernd, erfordert sie dennoch einiges an fahrerischem Geschick aufgrund der Pisten und Strassenverhältnisse. Silvester steht vor der Tür, daher entschließen wir uns einen Campingplatz aufzusuchen. Genug Zweisamkeit durchlebt. Menschen um sich zu haben, tut auch mal wieder gut. Wir treffen zwei belgische Paare mit ihren Kindern und ihren off-road Fahrzeugen und feiern in das Neue Jahr.

Mittlerer Atlas, hoher Atlas, und jetzt sind wir am Fuße vom Anti-Atlas. Bisher kannte ich lediglich den Welt-Atlas von Diercke. Wir fahren weiter nach Tachakchte, über den Pass Tizi Touggoukine. Übernachten an vielen einsamen Plätzen und genießen unser Leben. Weiter über AskaounTaliouine und Igherm bis zu dem Dorf Isil. Als wir uns dort die Beine vertreten, sehen wir dieses Dorf, das halb zerstört vor uns liegt. Hier hat das Erdbeben im September 2023 gewütet. Neugierig laufen wir in die Dorfmitte, als wir Kinderstimmen hören. Einige von ihnen spielen dort und nehmen uns augenscheinlich wahr. Neugierde und Ängstlichkeit spiegeln sich in ihren Gesichtern. Als wir näher kommen, rennen sie hinter die nächsten Häuserfassaden und rufen ihre Eltern zu Hilfe. Touristen, Weltreisende wie wir, sind in dieser Gegend fremd. Wir werden begutachtet, berührt, als ob wir von einem anderen Stern kommen. Eine Frau lädt uns zum Tee ein. Es ist Fatima, ihr Mann ist gerade auf dem Markt und sie hütet mit ihrem Sohn das Haus. Ihr altes Zuhause fiel dem Erbeben zum Opfer. Stolz zeigt sie uns ihr neues Haus, nicht vergleichbar mit europäischem Standard. Umso herzlicher die Einladung. Würden wir Deutsche marokkanische Nomaden einfach so einladen? Nachdenklich schauen Corinne und ich uns in die Augen…

Wir waren lange alleine unterwegs. Es zieht uns wieder zu den Menschen. In Tafraoute soll es einen riesigen Womo-Stellplatz geben. Dort erwartet uns eine gute Infrastruktur. Doch zuvor besuchen wir noch die Oase Ait Mansour und befahren am nächsten Tag eine schmale, steile Piste zu dem Ort Anirgui. Nur selten findet ein Fahrzeug den Weg in dieses Bergdorf. Herzlich werden wir von den Kindern empfangen. Wir übernachten an der einzigsten Moschee, wo ein Wenden unseres Fahrzeuges überhaupt möglich ist. Als wir am nächsten Morgen los fahren, rutsche ich bei einer engen Kurve mit dem Hinterreifen in einen Graben. Der Koffer pendelt nach rechts und schlägt an einen Stein. Mir stockt der Atem. Glück im Unglück. Die Airline Schiene hat die Wucht des Aufpralls abgefangen. Zwei kleine Löcher müssen dann in Deutschland repariert werden. Das ist der Preis, den man bezahlt bei solchen Abenteuern.

In Tafraoute beziehen wir einen riesigen Stellplatz. Hier treffen sich die Wohnmobilisten, Camper und Weltreisende mit ihren Trucks. Informationen werden ausgetauscht. Es wird nicht langweilig. Wir besuchen Sehenswürdigkeiten, bereiten Karli vor und überlegen, wie wir die weitere Reise gestalten. Die Westsahara ruft.

Auf dem Weg in die Westsahara kommen wir durch die Stadt Guelmim. Wir lesen etwas von einem Kamelmarkt. Hört sich doch interessant an. Also wird hier übernachtet. Und tatsächlich, auf einem Innenhof in einer Karawanserei sammeln sich Herden von Ziegen, Schafen, Kamelen und werden angepriesen. Dann werden wir auf deutsch angesprochen. Es ist Bekir, ein Kamelverkäufer, der sieben Jahre in Deutschland gearbeitet hat. Und dann auch noch in der Pfalz. Speyer ist ihm bestens vertraut – meine Geburtsstadt. Als ich auf seine Preisvorstellungen nicht eingehe, schlägt er mir einen Tauschhandel vor. Und wie soll der aussehen? Seine Augen wandern zu Corinne und dann zu mir. Dein „Täubchen“ für mein Kamel. Und das meint der wohl im Ernst. Bei aller Liebe, kann Dein Kamel etwa kochen, navigieren, einkaufen, und die vielen anderen Dinge? „Unverkäuflich“ ist die kurze und schnelle Antwort. Wir verlagern unseren Schwerpunkt zur Markthalle, in der Gemüse, Obst und allerlei Sachen verkauft werden. Hier kommt hoffentlich keiner auf solch abtrünnige Gedanken. Was würden meine Freunde sagen, wenn ich mit Karli und einem Kamel nach Deutschland käme. Ein außergewöhnlicher Tag. Das ist Afrika!