Arabische Halbinsel 2025-2026 | Teil 3 – Irak – Kurdistan

Reise auf die Arabische Halbinsel 2025 – 2026 | Teil 3 – durch Irak von Norden nach Süden – Autonome Region Kurdistan

Von Zakho nach Lalish

Wir haben es geschafft. Nach zweieinhalb Stunden an der türkisch-irakischen Grenze dürfen wir nun einreisen. Irak, ein Land bei dem fast alle Deutschen hellhörig werden und Vergangenes nicht vergessen haben. Gemeint sind Kriege, Attentate, Diktatoren, Menschenrechtsverletzungen und alles Schlechte, was es sonst so auf der Welt gibt. Auch wir bereisen ein neues Land, denken eher an eine schnelle Durchreise mit kurzen Unterbrechungen. Aber wir sind nicht festgelegt, sind offen für alles Neue und die Neugierde treibt uns an.

Zakho liegt nur wenige Kilometer hinter der Grenze. Kaum angekommen, stecken wir nahezu ortsfest im Verkehrschaos. Nur im Schneckentempo quälen wir uns durch die Innenstadt, suchen verzweifelt nach einem Übernachtungsplatz. Im Augenwinkel entdeckt der Capitano einen Platz vor einem Privathaus. Das schlechte Gewissen plagt uns. Hier werden wir bestimmt vertrieben. Die Freude wird nicht von langer Dauer sein – so befürchten wir. Aber dabei denken wir an deutsche Gebote und Verbote. Ein älterer Herr füttert seine Hühner und zwei Deutsche fragen kleinlaut nach einer Erlaubnis, hier stehen zu dürfen. Ein raubärtiges Gesicht mit warmherzigen Augen schaut uns ungläubig an, fragt nach dem Woher und bietet uns dann auch noch einen Tee an. Daß wir die Nacht hier verbringen dürfen, wird zur Selbstverständlichkeit. Wir sind im Irak!

Eine nette Altstadt gepaart mit modernen Gebäuden lässt uns nach einer abendlichen Runde in einen Tiefschlaf sinken.

Und was machen wir morgen, so der Capitano. Lalish – so der Reisemanager Corinne. Eine heilige Stadt der Jesiden.  Nur begehbar mit Socken oder barfuss. Was sind das denn für neue Sitten? So ist nun mal der Brauch dieser Glaubensgemeinde. Nach kurzer Zeit werden wir in Deutsch von einer Familie angesprochen. Sie waren in der Vergangenheit geflüchtet nach Deutschland. Die Deutschen haben sie respektiert und gut behandelt. Entsprechend werden auch wir vorzüglich behandelt. Man erklärt uns Bräuche, das Leben und zeigt uns mystisch wirkende Räume, die in der Regel kein normaler Tourist betreten darf. Selbst bei dem „Oberheiligen“ werden wir freundlichst eingeladen zu einem gemütlichen Stelldichein. Wir wissen gar nicht warum. Die Gastfreundschaft nimmt ihren Lauf. Lalish – welch eine Begegnung. Sind es doch immer die Menschen, die uns so begeistern und die glücklichen Zufälle, die diese Art von Reisen so einzigartig machen.

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Lalisch

https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/lebenszeichen/auf-wallfahrt-im-heiligen-tal-der-yeziden-100.html

 

Von Lalish über den Pass bei Dinarta nach Barzan

Barzan, so unser nächstes Ziel. Inmitten des wilden Kurdistan im Nordosten Iraks gelegen. „Durchs wilde Kurdistan“ so der Titel einer meiner Karl May Bücher aus jungen Jahren. Und nun sind wir hier und dürfen dies alles hautnah erleben. Eine Besuch der Gedenkstätte der Kurden stimmt uns nachdenklich und macht uns traurig zugleich. Hier wurden im letzten Jahrhundert mindestens 8.000 Menschen verschleppt, gefoltert und dann getötet. Warum? Es war wie so oft, eine andere Kultur mit ihrem eigenen Glauben und dieses doch so stolze Volk wollte man hörig machen. Wir erfahren viel über diese Menschen und haben tiefsten Respekt, wenn man sich mit der Vergangenheit und der Geschichte der Kurden insbesondere der Barzanis beschäftigt.

https://kurdische-gemeinde.de/in-gedenken-an-den-barzan-genozid/

https://kurdistanchronicle.com/babat/4066

https://www.kurdistan24.net/en/story/827360

 

Von Barzan nach Bekhal und Ravanduz und weiter nach Erbil

Wir verlassen Barzan und wollen zu einer Schlucht bei Ravanduz. Es folgen tolle Aussichten mit grandiosen Canyons. Auch sind dies die Ausflugziele von irakischen Touristen. Rummelplätze und Picknickplätze sind häufig zu sehen. Europäer zu treffen ist äußerst selten. Wenn, dann Weltreisende wie wir. Über 6.000 km liegen hinter uns und wir haben erst zwei deutsche Pärchen mit ihren Fahrzeugen getroffen. Zu groß sind die Ängste und Vorbehalte unserer Freunde und Bekannten in Deutschland, um dieses herrliche Land näher kennen zu lernen.

 

In Erbil 

Ein Schlechtwettergebiet ist angekündigt mit lang anhaltendem Regen. Daher beschließen wir, Erbil, die Hauptstadt von Irak-Kurdistan, zu besuchen. Daniel und Aline, die wir in Lalish kennen gelernt haben, sind bereits vor Ort und erwarten uns. Wäre da nicht bei meinem täglichen Kontrollgang aufgefallen, daß sich der Zusatztank, etwas gelockert hat. Wir steuern eine Iveco Werkstatt an, die auf dem Weg liegt. Ich bin kaum auf dem Hof, habe das Problem erklärt, liegt auch schon ein Mechaniker unter Karli und gibt sein Bestes. Nach einer halben Stunde Arbeit will ich die Rechnung bezahlen. Fehlanzeige, macht 0,0 €. Wir können es fast nicht glauben. Nicht einmal unsere Schokolade aus Deutschland wollen sie annehmen! Wir wissen gar nicht wie uns geschieht und verlassen fast beschämt das Gelände.

Erbil, der zentrale Mittelpunkt Kurdistans. Hier treffen sich Menschen aus allen Ländern der Welt. Kultur wird groß geschrieben. Wir haben das Glück, dass wir Kanaan kennen lernen, den früheren Honorar-Konsul von Irak-Kurdistan in Deutschland. Kanaan spricht perfekt deutsch und lässt uns seine großzügige Gastfreundschaft zukommen. Mehrere Tage verbringen wir zu fünft mit Besichtigungen, Essen gehen, und lassen uns alles genau erklären. Die Stadt wurde weitestgehend von Kriegen verschont und hat eine intakte Altstadt. Die Neustadt selbst ist mindestens gleich zu stellen mit Großstädten in Deutschland. Hier leben Menschen verschiedenster Hautfarben, Sprachen und Kulturen friedlich nebeneinander. Wenn es doch nur überall auf der Welt so wäre!

Der lang anhaltende Regen hat den Saharastaub aus der Atmosphäre gefiltert und Karli entsprechend eingesaut. Der Capitano will etwas Gutes tun und ordnet eine Wäsche an. Kaum angekommen, fallen mindestens sechs Leute, bewaffnet mit Putzlappen, Hochdruckstrahler, Wasserschlauch über Karli her. Der Capitano versucht verzweifelt Instruktionen zu geben, um Schlimmeres zu vermeiden. Zu spät. Die Katastrophe nimmt ihren Lauf. Ich soll den Waschplatz verlassen. Aber – alles ist tot. Nicht eine Lampe leuchtet beim Versuch Karli zu starten. Um uns herum wird es verdächtig still. Ein deutschsprechender Iraker kommt zu Hilfe. Er tippt entgegen meiner Meinung auf eine leere Batterie. Ich selbst denke eher an einen Kurzschluss. Aber nichts geht mehr und der Capitano bekommt eine schweinisch rosarote Farbe ins Gesicht. Es wird versucht mit Starterkabel zu überbrücken. Nichts geht. Dann lässt man einen LKW kommen, überbrückt. Nichts geht. Dann tauscht man die Batterie gegen eine neue. Nichts geht. Erst jetzt glaubt man, dass es doch nicht die Batterie ist. Andere schalten sich mit ein. Es wird bereits ein Tieflader bestellt, der Karli zu einer Werkstatt bringen soll. Die nächsten Tage scheinen ungewiss. Und morgen ist natürlich Freitag, da geht hier gar nichts. Das ist der christliche Sonntag. Nach vier Stunden vegeblicher Versuche Karli zu starten, kommt noch ein letzter Mechaniker mit einem unseriös aussehendem PKW, der mehr stottert, als daß er fährt. Der Mechaniker fängt an zu messen, schraubt wild drauf los und nach einer Stunde zeigt er auf eine der Sicherungen der Starterbatterie. Diese habe ich glücklicherweise bei meinen Ersatzteilen. Wir tauschen – und welches Glück – Karli springt wieder an. Ein Stein fällt uns vom Herzen. Der Capitano und der „kleine wilde Mechaniker“ schließen eine Freundschaft fürs Leben. Die Reise kann weiter gehen!

 

Arabische Halbinsel 2025-2026 | Teil 2 – Türkei

Reise auf die Arabische Halbinsel 2025 – 2026 | Teil 2 – durch die Türkei von West nach Ost

Von der Grenze bis zum Phrygischen Tal

Wir nähern uns Canakkale. Eine Wasserstraße, die Europa von Asien trennt. Hier treffen unterschiedliche Welten aufeinander, auch wenn es zunächst nicht offensichtlich ist. Wir sind auf der Fähre, schauen uns gegenseitig an. Voraus liegt Asien, im Rücken Europa. Ein eigenartiges Gefühl. Noch liegen 5.500 km vor uns.

Am Abend esssen wir in der erstbesten Kneipe. Die Müdigkeit des anstrengenden Tages dominiert und wir bestellen das, was die Bedienung uns empfiehlt. Das Ergebnis: ein gutes Essen, aber 60 € müssen wir zahlen. Eindeutig zu viel für ein schwäbisches Pärchen! Das kommt davon, wenn der Capitano sich zu sehr auf die Bedienung anstatt auf das Essen konzentriert!

Das phrygische Tal zieht uns an. Keinerlei Tourismus und vergleichbar mit „Klein Kappadokien“. Von einem türkischen Paar werden wir zum Tee trinken eingeladen. Für uns noch ganz ungewohnt. Aber  stimmt, wir sind ja in Vorderasien. Die türkische islamische Gastfreundschaft holt uns ein.

 

In Konya

Und immer wieder höre ich dieses vibrierende Geräusch bei Karli. Der Haltewinkel vom DPF ist zwischenzeitlich ganz gerissen und lässt mich nicht mehr ganz so gut schlafen. Daher wollen wir schnellstens nach Konya in die Werkstatt. Osman ist bekannt für seine Hilfsbereitschaft und organisiert jemanden, der uns dieses Teil schweisst. Dann noch die Räder diagonal wechseln und unsere „to do Liste“ ist vorerst abgearbeitet. So ist das, wenn man die große, weite Welt kennen lernen will. Ein Auf und Ab.

Der für uns unbekannte und angenehme Teil sind der Besuch der „Derwische“ im Kulturzentrum von Konya. Etwas gewöhnungsbedürftig ist das schon und hat mit europäischem Tanzstil aber rein gar nichts zu tun.

 

Von Konya vorbei am Taurus-Gebirge bis Gaziantep

Zu gerne würden wir das Taurus Gebirge näher kennen lernen. Dazu gibt es eine tolle Piste, vergleichbar mit einer Mondlandschaft, die wir gerne fahren wollen. Angekommen in Pozanti, einer Ortschaft am Fuße des Taurus, werden wir von Einheimischen zum Tee eingeladen. Von einer Querung des Passes raten sie eindringlich ab. Die starken Regenfälle der letzten Tage haben das Taurus Gebirge unpassierbar gemacht. In 3.000m sind über ein Meter Schnee gefallen.

Wir finden uns damit ab und fahren weiter nach Gaziantep. Unterwegs werden wir überholt von einem PKW mit Warnblinkanlage. Dieser fährt rechts an den Fahrbahnrand und bittet uns anzuhalten. Zwei fragende Gesichter schauen sich an. In Deutschland ist es meistens die Polizei, die mich anhält. Ein junger Türke steigt aus, heißt uns ganz aufgeregt willkommen und lädt uns zu Essen und Tee ein. Die Polizei in Deutschland hat das noch nie bei mir getan. Es fällt uns schwer dieser Einladung zu widerstehen, aber wir müssen ihm absagen, da es bereits zu dämmern anfängt. Unbeschreiblich, diese Gastfreundschaft! Südostanatolien lässt grüssen.

Angekommen in Gaziantep besuchen wir den Basar. Die Musik, die Düfte und die vollkommen anderen Menschen erinnern uns an 1001 Nacht. Auch die Essenskultur ist eine völlig andere. Aus dunklem Körnerbrot wird Fladenbrot und aus dem geliebten Zwiebelrostbraten wird Lahmacun und Kebab. Der vordere Orient zeigt uns sein Gesicht.

 

Über Sanliurfa nach Mardin und weiter zur Ibrahim Khalil-Grenze nach Irak

Weitere Städte wie Sanliurfa und Mardin liegen auf dem Weg zur irakischen Grenze. Diese Städte sind beliebte Ausflugziele für einheimische Touristen. Europäer sieht man hier selten. Wir werden oft angesprochen, wo wir her kommen und was wir hier tun. Einladungen fast jeden Tag sind hier nicht unüblich, obwohl wir doch für die Einheimischen Fremde sind. In Deutschland  – unvorstellbar. Orientalische Altstädte mit ihren Basaren und hochmoderne Neustadtviertel, die an die westliche Welt erinnern, bilden ein Kontrastprogramm. In Mardin fahren wir zum ersten Mal auf unserer Reise einen kleinen Campinplatz an, da freies Stehen hier nahezu unmöglich ist. Wäsche wird gewaschen, Karli im Innenraum gesaugt, Einkäufe erledigt. Die Alltagsroutine nimmt ihren Lauf und wir sind bereit für den Irak!

 

Iran 2022 | Teil 18 – Heimreise nach Deutschland

Reise nach Iran | Teil 18 – Heimreise auf dem Landweg nach Deutschland und FAZIT:

Türkei – Griechenland – Nord-Mazedonien – Albanien – Montenegro – Bosnien-Herzegowina – Kroatien – Slowenien – Italien – Österreich – Deutschland     

Oktober/November 2022:

Wir sind noch 60 km vor der iranisch/türkischen Grenze. Bei 2 Cent/Liter werden die Dieseltanks nochmals randvoll gemacht. Der Grenzübergang selbst übertrifft dann all unsere Erwartungen. Chaotischer kann es nicht mehr sein. Als wir an das Tor rollen, glaubt man, eine Meute von Menschen hätte auf uns gewartet. Alle wollen behilflich sein, oder ist es nur Eigeninteresse einige Euro verdienen zu wollen? Zuerst lässt uns am „check in“ der Grenzbeamte eine halbe Stunde bei seinem Frühstück zuschauen nach dem Motto „Rien ne va plus“. Als er fertig ist, schaut er die Papiere an und will uns an einen anderen Grenzübergang verweisen. Dieser ist ja nur 500 km weiter. Wir haben ihn endlich überzeugt, daß wir bei ihm richtig sind. Wir werden von einem Schalter zum nächsten geschickt. Manche Vorgänge wiederholen sich mehrmals. Die Dieseltanks werden vermessen und das Tankvolumen muss versteuert werden. Die Frauen müssen zu Fuss über die Grenze, die Männer bleiben bei den Fahrzeugen. Immer wenn das Haupttor geöffnet wird, rennen alle wie von der Tarantel gestochen zu ihren Fahrzeugen, um in den Innenhof zu kommen. Dort steht man dann in einer Baustelle, die bereits seit vier Jahren besteht, ohne nennenswerte Baufortschritte. Das Tor selbst wird nur alle Stunde geöffnet. Dann können die nächsten zehn Fahrzeuge einfahren. Es folgen viele Passkontrollen, Fahrzeugdurchsuchungen, Röntgenkontrolle und undefinierte Wartezeiten, die uns Deutschen mit angeborenem Perfektionismus den letzten Nerv rauben. Nach fast sieben Stunden haben wir es geschafft. Corinne ist wieder bei mir und wir stehen auf türkischem Boden.

Wir haben die letzten Tage wieder etwas Getriebeöl verloren. Karli krankt, also nichts wie in die nächste IVECO Werkstatt in Van. Dort wird wieder der Simmerring gewechselt, in der Hoffnung, dass dieser besser abdichtet. Wir lernen Robert und Maria kennen, die ebenso ihr Fahrzeug dort zum Ölwechsel vorbeibringen.

Am nächsten Tag ruft das Abendland und wir ziehen Richtung Westen weiter.

Unser Heimweg führt uns über Griechenland – Nordmazedonien – Albanien – Montenegro – Bosnien-Herzegowina – Kroatien – Slowenien – Italien – Österreich nach Deutschland. Es ist, als ob jemand einen Schalter umgelegt hat. Alles ist sauber, geregelt, ordentlich und von einer kühlen Distanz der Menschen dominiert. An diese ungewohnten Momente müssen wir uns noch gewöhnen. 

Viele Dinge müssen nach 6 1/2 Monaten Auszeit erledigt werden. Wir sind die ersten Wochen noch gar nicht richtig angekommen. Auch in Deutschland lohnt es sich zu leben. Doch unsere Gedanken schweifen schon wieder in die Ferne.

FAZIT:

Knapp sieben Monate waren wir unterwegs. Haben 23.000 km zurück gelegt. Genächtigt, gegessen, gelebt und viele schöne Momente genossen in einem 8 1/2 qm großen Wohnraum. Das mobile und autarke Reisen hat uns Spaß gemacht. Die Aufgabenteilung und das Zusammenleben zwischen uns beiden hat super geklappt, und natürlich gab es auch in dem ein oder anderen Fall heftige Diskussionen.  Zusammen haben wir uns prima ergänzt und in schwierigen Situationen gegenseitig wieder aufgebaut. Die vielen Eindrücke von den Ländern und den Menschen müssen erst noch verarbeitet werden. Nur selten gab es Situationen in denen wir uns unwohl oder bedroht gefühlt haben. Wir können nicht wirklich sagen, wo es uns am besten gefallen hat. Jedes Land hat seine speziellen Reize und auch die Menschen mit ihren unterschiedlichen Kulturen waren für uns eine angenehme Herausforderung.

Was neu für uns war, ist das eigene vollverantwortliche Reisen in solch ferne Länder auf den eigenen vier Rädern und nicht vergleichbar mit den organisierten Fernreisen von Reiseveranstaltern.

Ebenso neu und unbeschreiblich war die nicht zu beschreibende Gastfreundschaft, vor allem in der Osttürkei und dem Iran. Für uns hat sich eine vollkommen neue Welt aufgetan mit all ihren reizvollen Facetten und Menschen, von denen wir Europäer bei einigen Themen vieles lernen können. Es war für uns eine Bereicherung in jeglicher Hinsicht und wir haben schon jetzt wieder Fernweh nach all diesen Ländern.

Iran 2022 | Teil 17 – Iran – der Nordwesten: auf dem Weg zur türkischen Grenze

Reise nach Iran | Teil 17 – der Nordwesten:

Hamadan – Katale Khor Cave – Takht-e Soleyman – Urmia-See – Koy – Grenze Iran/Türkei   

Oktober 2022:

Unser Kurs zeigt Nordwest Richtung iranisch-türkische Grenze. Das ein oder andere Mal denken wir an zu Hause. Wir machen Strecke, fahren jeden Tag 200 bis 300 km. Ganz anders, waren wir es doch gewohnt, wesentlich kürzere Distanzen zurück zu legen. Und als ob jemand den Schalter umlegt, wird es von heute auf morgen deutlich kälter. Wir schlafen wieder besser und morgens kommt die Heizung zum Einsatz. Ein erster Vorgeschmack auf Europa.

Die Unruhen und Prosteste haben zugenommen. Wir meiden Städte und Menschenansammlungen. Internet, WhatsApp und sonstige Kommunikationsmittel sind nicht mehr oder allenfalls sehr eingeschränkt nutzbar. Wir sind nahezu isoliert von der Außenwelt. Deutlich wird das, als unser Navi uns anzeigt, daß wir uns angeblich auf der Landebahn von Teheran befinden. Ich frage Corinne, ob sie das Gleiche sieht wie ich, oder ob das erste Anzeichen von Demenz sind. Tatsächlich, wir sind mitten in der Pampa, und nicht auf der Landebahn von Teheran. Ich bin beruhigt. Navigiert wird jetzt nach der Sonne und den Sternen. Haben doch schon unsere Vorfahren so gemacht.

Das Ende unserer Reise im Iran naht. Wir verbringen die vorletzte Nacht am Urmia-Salzsee und gnießen noch einmal die einmalige Natur. Heimweh nach Deutschland, als auch der nahende Abschied von diesem lieb gewonnenen Land machen sich bemerkbar.

In Khoy, der letzten Stadt vor der Grenze, haben wir ein gemeinsames Abendessen und lassen unsere Erlebnisse Revue passieren. Schwermut macht sich breit. Aber so ist das Leben. Am nächsten Morgen geht es an die Grenze.

Iran 2022 | Teil 16 – Iran – von der Mitte nach Nordwesten: Wüsten und Berge

Reise nach Iran | Teil 16 – von der Mitte nach Nordwesten:

Mount Black – Mobarakeh – Chelgerd – Koohrang-Flußtal – Fereydunshahr – Lorestan – Dorud 

Oktober 2022:

Diese Art von Reisen, wie wir es betreiben, ist spannend und voller neuer Eindrücke. Morgens wissen wir zwar in welche Richtung wir fahren. Ankunft und wo wir übernachten sind immer etwas ungewiss, nach dem Motto „der Weg ist das Ziel“. Meistens stehen wir an Parks, Karawansereien  Flussläufen, Aussichtspunkten, Seenufer, Friedhöfen (aber nur zum Übernachten). Eben da wo es attraktiv ist. Im schlimmsten Fall standen wir auch schon mal in Hinterhöfen. Fast täglich wechseln wir den Standort. In einigen Fällen bleiben wir auch für zwei oder drei Tage an einem schönen Übernachtungsplatz. In den Flüssen waschen wir unsere Wäsche. Einkaufen tun wir fast immer unterwegs direkt an der Strasse bei den Bauern und Nomaden.

Und so fahren wir weiter von Yazd über die Rabbits Caravanserai zum Mount Black und Salzsee. Weiter über die Taubentürme nach Mobarakeh südlich Isfahan mit ÜN im Sararud-Park. Und dann weiter nach Chelgerd und Übernachtung im Koohrang-Flusstal.

Von Chelgerd geht es weiter nach Fereydunshahr. Wir genießen die wunderbare Landschaft und finden einen ruhigen ÜN-Patz am Rande eines Parks. Manchmal habe ich einen siebten Sinn, eine innere Eingebung, wenn etwas nicht stimmt. So geschehen in dieser Kleinstadt. Tropft doch tatsächlich etwas Öl, vermutlich Servolenkungsöl auf den Boden. Zwei Jungs, die uns neugierig mit ihren Mopeds wie die Indianer umkreisen, winke ich zu mir. Zeige auf das Problem und frage nach „Mechanik“. Die Notfallkette nimmt ihren Lauf. Das Moped fährt mit Vollgas den Berg hinunter Richtung Stadt und es dauert keine zehn Minuten, bis der Junge mit einem Mechaniker auf dem Moped erscheint. Es wird bereits dunkel, die Hoffnung auf Hilfe schwindet, doch der Mechaniker gibt zu verstehen, daß wir ihm folgen sollen. Es folgt eine längere Fahrt mit unbekanntem Ziel. Wir vertrauen unseren Helfern. Wir passieren nach 1/2 Stunde Fahrt eine Schranke. Ein fast unbewohntes Industriegebiet stimmt uns nachdenklich. Unbehagen macht sich breit, bis wir vor einem Tor stehen bleiben sollen. Vier dunkle Gestalten bitten uns aus dem Wagen zu steigen, um das Problem zu beschreiben. Gesagt, getan, unsere Iraner helfen uns. Karlis Frontschürze wird demontiert. Eine mehrstündige Reparatur nimmt ihren Lauf. Ein O-Ring war gerissen. Doch woher so einen bekommen, wenn keiner vorhanden? Der Chef verschwindet mit dem Moped für eine Stunde während wir Tee trinken. Als dieser dann wieder erscheint nachts um 21 Uhr, wird alles montiert und Karli ist wieder dicht. Welch Glück! Als wir nach dem Preis fragen, schauen uns mehrere ratlose Gesichter an und geben uns zu verstehen, daß es ihnen egal ist was wir zahlen. „You are our guests“. Hat man so etwas schon erlebt? Ein langer Tag geht zu Ende.

 

Wir sind müde, haben schlecht geschlafen, als wir bei den Nomaden in der Nähe von Golbahar-e Atabaki einen Übernachtungsplatz finden. Wir waren diese Nacht nicht alleine. Eine Maus hat es sich bei uns gemütlich gemacht. Diese knabbert unsere Lebensmittel an und fühlt sich bei uns sauwohl, während ich um meine Elektrokabel bibbere. Solche Nager können einem das Fahrzeug kaputt fressen, geht es mir durch den Kopf. Sind doch da die Nomaden, die uns wieder helfen. Nasser, ein pfiffiger Iraner, zeigt uns nach der Ankunft sein Heimatdorf. Nasser fährt zu seinem Opa, besorgt uns eine Mausefalle. Welch Glück für uns, Pech für den kleinen Fresser. Die Falle schnappt zu, wenngleich ich ungerne Tiere töte.

Am nächsten Morgen wollen wir weiter nach Dorud, müssen dazu einen Pass überqueren. Voraussicht ist angesagt. Es gibt nur wenige Ausweichstellen bei Gegenverkehr. Und ausgerechnet an einer unübersichtlichen Stelle kollidieren fast zwei Laster mit uns. Alle steigen aus, jeder gibt seinen Ratschlag, um diese verzwickte Situation zu klären. Ich will 200 Meter zurücksetzen auf engster Piste. Unmöglich, Corinne will mich einweisen, wird von den Iranern lautstark übertönt, auf die Seite geschoben. Vor mir steht einer, hinter mir steht einer – das Chaos ist perfekt. Der Capitano steigt aus, bittet die Helfer zu einer Unterredung. Bitte die „Klappe“ halten, Tee trinken und Corinne übernimmt die Einwinkerfunktion. Nach einer halben Stunde entspannt sich die Situation. Die Iraner staunen, was ein eingespieltes Team so alles kann und sind überglücklich und dankbar.

Iran 2022 | Teil 15 – Iran – die Mitte: über Canyons zur antiken Stadt Yazd

Reise nach Iran | Teil 15 – über die Mitte nach Nordwesten

Tabas – Kal-e Jeni Canyon – Morteza Ali Canyon – Desert One Landing Site – Rabat-e Posht – Yazd   

Oktober 2022:

Erst sind es die Berge, dann die Wüste, und jetzt die Canyons. Iran ist wahnsinnig vielfältig. Wir fahren nach Tabas. Sicherlich gibt es dort auch Tabak, aber vielmehr beeindruckt ein Canyon genannt „Kal-e Jeni„. Solche Namen können wir Deutschen uns nur ganz schwer merken, aber umso mehr die wunderschöne, tief eingeschnittene Landschaft mit ihren Wasserläufen. Und dann kostet das noch nicht mal Eintritt. Da lacht doch das pfälzische Schwabenherz! Und weil es dort so toll war, folgt am nächsten Tag der Canyon „Morteza Ali„. Ähnlich beeindruckend mit bleibenden Erinnerungen. Aber immer diese Namen.

Dabei fühlen sich die Iraner mit den Deutschen historisch gesehen sehr stark verbunden. Deutsche und Iraner sind Arier. Hat aber nichts mit den großen, blonden blauäugigen Menschen zu tun, die sich ein gewisser Herr Mitte des 20. Jahrhunderts gewünscht hat. Nein, zu Zeiten der Völkerwanderung gab es bereits die Arier. Die einen wurden sesshaft im Iran, die anderen wanderten noch weiter nach Westeuropa. Asterix müsste demnach also auch Arier gewesen sein, obwohl der doch gar nicht danach aussieht!!!

Manchmal klappt nicht immer alles nach Plan. So geschehen in der Wüste an einem Platz genannt „Desert One Landing Site„. Die Amis hatten im Jahr 1980 eine Geiselbefreiung geplant, was aber gründlich in die Hosen ging. Lest selbst nach, und das, was dabei heraus kam, seht nur selbst. Doch zuvor durchkreuzen wir die Wüste mit all ihren tiefbleibenden Eindrücken.

https://en.wikipedia.org/wiki/Operation_Eagle_Claw

Die Wüste kann einsam sein. Aber da gibt es ja noch Elizabeth und Rainer, die wir bereits im Kaukasus kennen gelernt haben und die wir hier im Iran wieder treffen. Wir verbringen zusammen wunderbare Stunden mit Essen, Tratschen und dem Austausch des bereits Erlebten. Der Abschied fällt uns schwer.

Als wir auf dem Weg nach Yazd sind, höre ich bei einer bestimmten Drehzahl ein mir unbekanntes Geräusch bei „Karli“. Der wird mir doch nicht schlapp machen. Abends liege ich eine Stunde unter dem Fahrzeug bis ich erkenne, daß am DPF ein Stahlwinkel gebrochen ist. Uns wird eine Hinterhofwerkstatt empfohlen. Als wir an deren Stahlpforte klopfen, öffnet eine Person ölverschmiert und etwas unappetitlich aussehend das Stahltor. Das, was wir dann sehen, erinnert mehr an einen Schrottplatz, als an eine Werkstatt. Aber mit einfachsten Mitteln wird das gebrochene Teil geschweißt und „Karli“ ist wieder einsatzbereit.

Danach wollen wir gleich tanken und als wir dabei sind mit dem Tankwart um den Preis zu verhandeln, mischt sich ein LKW-Fahrer in das Gespräch ein. Gibt zu verstehen, daß er genügend Diesel in seinen Tanks hat und uns gerne etwas abgibt. Wir stellen uns nebeneinander, der Gartenschlauch wird zweckentfremdet und schon fließt der Diesel in unsere Tanks. Uns ist es peinlich, weil es so lange dauert und wir die Zeit des Fahrers in Anspruch nehmen. Falsch gedacht. In der einstündigen Dieselpause holt dieser seinen Teekocher und wir genießen bei viel Gelächter die iranische Gastfreundschaft. Diese Iraner!

Danach geht es direkt in die historische Altstadt von Yazd, der westlichsten Wüstenstadt Irans, die zum größten Teil noch aus Lehmziegeln besteht und einen krassen Gegensatz zu den bisherigen Städten darstellt. Alles ist ursprünglich. Die Häuser, die Windtürme als auch die Menschen. Eintausend und eine Nacht lässt grüßen.

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