Arabische Halbinsel 2025-2026 | Teil 9 – Oman – An der Küste entlang nach Süden

Reise auf die Arabische Halbinsel 2026 | Teil 9 – Oman – Fahrt nach Süden

Vom Wadi Tiwi nach Sur und weiter zum Ras al Khabbah und zum Fischerhafen Shannah

Von Nord nach Süd wollen wir die Küstenstraße bis an die Grenze zum Yemen fahren. Dann wieder zurück durch die Wüste in das südliche Hajar Gebirge. So der Plan. Dabei sprechen wir von ca. 2.000 km, die zu fahren sind.

Oman selbst entspricht von der Grundfläche etwa knapp der von Deutschland. Ca. 5,6 Millionen Einwohner stehen 82,5 Millionen Deutschen gegenüber. Die größten Städte sind Muscat im Norden mit über 1,5 Millionen Einwohnern und und Salalah im Süden mit circa 350.000. Dementsprechend sieht man in manchen Teilabschnitten oft nur 1 – 2 Autos am Tag. Dabei ist der Oman nach Yemen das „zweitärmste“ Land unter den Golfstaaten. Öl und Gas ist zwar eine der Haupteinnahmequellen, spielt aber im Vergleich zu den anderen Staaten eine untergeordnete Rolle. Trotzdem geht es den Omanis sehr gut. Landwirtschaft und Fischerei beschäftigen etwas ein Viertel der Bevölkerung. Tourismus spielt eine wesentliche Rolle und gerade für Europäer ist der Oman ein lohnenswertes Urlaubsziel. Getreide, Obst und Fleisch werden in großen Mengen importiert.

Oft sitzen die Omanis in Gruppen zusammen, trinken gerne Tee und diskutieren um die Wette. Dabei sind Männer und Frauen nahezu immer getrennt. Daß eine Familie mindestens 3 – 5 Kinder hat ist vollkommen normal. Kinderlose Ehepaare haben wir nicht kennen gelernt.

Wir fahren entlang der Küste. Halten uns einige Tage in den Städten auf und führen ein angenehmes Leben.

Zwischenstationen sind die Stadt Sur, in der die Fischerboote aus Holz in hochwertiger Bauweise hergestellt werden. In Shannah beobachten wir das Treiben der Fischer. Auch kommt die hier zwei Klassen Gesellschaft zum teiseagen. Während die Fischer hauptsächlich aus Bengalesen, Pakistanis und Indern bestehen, sind die Omanis die Eigentümer und Chefs dieser Einkommensquelle.

Weiterfahrt zu den Sugar Dunes und zum Ras Madrakah und zum Miji Beach (Treffen mit Theresa, Patrick, Rahel und Luca)

Wir wollen zu den Sugar Dunes. Eine kleine Wüste, die ihren Namen zu recht verdient. Als ob der liebe Gott weißen Zucker ausgeschüttet hätte in diesem Teil der arabischen Welt. Durch den Wind werden die Sanddünen organisiert und reihen sich in Reih und Glied. Und natürlich müssen wir vorher wieder Luft von den Reifen ablassen. Ohne diesen Vorgang wäre die Gefahr groß, daß wir doch mal stecken bleiben. Doch wir schaffen es glücklicherweise ohne daß wir unsere unsere Sandbleche brauchen. Bei deutlich über 30 Grad eine kräftezehrende Aktion.

Dann melden sich Theresa und Patrick, die wir im Irak kennen gelernt haben. Ein Treffen an einem der vielen menschenleeren Strände. Spontanität wird groß geschrieben. Es erwartet uns ein lustiger Abend mit zwei weiteren Reisenden aus der Schweiz, Rahel und Luca. Und so ist kein Tag wie der andere.

Aber wir beobachten die politischen Ereignisse. Amerikanische Flugzeugträger verlegen ihren Standort in Richtung persicher Golf. Ein leichtes Unbehagen kommt in uns auf.

 

Zum Wadi Shuwaimiyyah und weiter zum Baobab-Wald, dem Sinkhole Tawi Atair und zum Wadi Darbat

Von Tag zu Tag wird es wärmer. Wir suchen den Schatten, wann immer es geht. Die Vegetation wird weniger, die Kamele werden mehr. Immer wieder faszinieren uns diese Tiere. Die ganze Physiologie, jedes Glied, jeder Muskel ist auf Funktionalität ausgelegt. Die Anpassung an Wüsten, Trockenheit mit all ihren Facetten lässt sie überleben und so haben diese Tiere für die Menschen und ihre Wüsten einen hohen Stellenwert.

Unsere Lieblingswadis: Wadi Shuwaimiyyah und Wadi Darbat. Sie wirken mystisch, geheimnisvoll und erinnern an das östliche Afrika. Während das eine nur selten von Touristen besucht wird, ist das Wadi Darbat ein Touristen-Hotspot. Erst gegen Abend wird es einsamer. Wir sind alleine mit den Tieren und ihren Geräuschen. Eine Welt, in der wir uns wohl fühlen. Am nächsten Tag fahren wir die Küstenstraße nach Süden. Corinne entdeckt spielende Delphine nicht weit vom Strand. Ich stoppe sofort, hole meine Schnorchelsachen und kann mich bis auf wenige Meter diesen Säugetieren annähern. Ein unvergessliches Erlebnis.

 

Arabische Halbinsel 2025-2026 | Teil 8 – Oman – Hajar-Gebirge – über Berge und durch Wadis

Reise auf die Arabische Halbinsel 2026 | Teil 8 – Oman – Fahrt durch die Berge und Wadis

Von Muscat zum Wadi Hoqain und dem „5 elements village“ zum Little Snake Canyon und Snake Canyon und ins Dorf Bald Sait – Fahrt zurück über das Wadi Sahtan und weiter nach Rustaq

Wir sind angekommen im „großen Oman“. Schwerpunkt soll die nächsten Tage das „Hajar Gebirge“ werden. Ein über 3.000 m hohes Gebirge mit wahnsinnigen Canyons und Schluchten und den vielversprechenden Wadis. Von anderen Reisenden haben wir erfahren, wie steil und nicht ganz einfach die Pisten zu befahren sind. Noch steckt uns das Erlebnis der abgebrochenen Pistenfahrt in Musandam in den Knochen. Doch wir haben dazu gelernt, wie so oft auf dieser Reise. Wer nichts wagt, der nichts gewinnt, so unser Motto.

Das Wadi Hoqain ist unser erstes Wadi, das wir besuchen, dann folgt  der „Little Snake Canyon“ und dann sollte die Piste über den großen „Snake Canyon“ über das Dorf Bald Sait (auch Bilad Sayt genannt) hoch zum über 2.000 m hohen Berg Jabal Hat kommen. Wir beherzigen einige fahrtechnische Besonderheiten und Karli bringt uns treu und sicher an unsere Ziele. Berge mit Steigungen und Gefälle mit teilweise über 30% erfordert hochkonzentriertes Fahren. Erst in der Ortschaft Bald Sait oberhalb vom „Snake Canyon“ werden wir von den Einheimischen eingebremst. „Don’t do it. It’s too dangerous with such a big car.“ Es ist wohl eine sehr enge und sehr, sehr steile Piste, knapp 10 km lang mit einem Höhenanstieg von 1.300 m. Leider müssten wir diese auch noch hoch fahren. Letzendlich hören wir auf die Einheimischen und brechen an dieser Stelle die Durchquerung des Gebirges über den 2.050 m hohen Berg Jabal Hat ab. In einigen Wochen wollen wir das Hajar-Gebirge von Süden aus erkunden, wenn wir von Salalah nach Norden fahren. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

 

Von Rustaq aus über Sumayyah aufs Salmah Plateau und wieder runter zum Wadi Arbeieen

Vom Landesinneren und den Ausläufern des Hajar-Gebirges wollen wir über das „Salmah Plateau“ zur Küste am indischen Ozean. Wir fahren eine magisch anziehende Piste und treffen an einem Tag auf lediglich zwei Menschen. Oft fragen wir uns, wie und von was die Einheimischen hier in dieser gottverlassenen Gegend leben. Und dennoch machen sie einen zufriedenen und ausgeglichenen Eindruck. Wir kommen häufig ins Nachdenken. Die Piste ist wahnsinnig schön und naturbelassen. An einem tollen Aussichtspunkt suchen wir unseren Übernachtungsplatz. Weit über hundert Kilometer können wir an einer steil abfallenden Felswand bis zum ersehnten Meer sehen. Doch dann wird der Wind stärker und stärker. Karli steht an der Kante und unter uns fällt die Wand 200 m steil ab. Das Fahrzeug wackelt und ist unruhig wie nie zuvor. Zwischenzeitlich ist es dunkel. Ich begebe mich in dem Sturm nach außen, um alles zu überprüfen und einen Alternativplatz ausfindig zu machen. Ich kann kaum gegen den Wind angehen. Einen anderen Platz anzufahren bei Dunkelheit – zu gefährlich. Es vergehen bange Stunden und wir reden fast kein Wort. Wir fühlen uns in einer beklemmenden Situation. An Schlaf ist nicht zu denken. Erst am frühen Morgen lässt der Wind etwas nach und mit dem ersten Tageslicht verlassen wir unseren Nachtplatz und fahren eine steile Piste ins Tal.

Am Talboden des Wadi Arbeieen kommen wir zur Ruhe und können erst mal wieder durchschnaufen. Wären da nicht mindestens 15 SUV`s beladen mit Touristen. Und dazu auch noch mit Deutschen, die direkt von „Mein Schiff“ kommen zu einem Ausflug hierher. Wir sind es gar nicht mehr gewohnt mit so vielen Deutschen zu reden, und wir spüren, daß diese Art ein Land zu bereisen so gar nicht unser Ding ist. Wir lieben das Abenteuer und die Mischung von Einsamkeit, Wildnis und den landeseigenen Menschen mit ihrer für uns fremdartigen Kultur. Es vergeht kein Tag, an dem wir nicht von den Omanis angesprochen und oft auch eingeladen werden.

Doch da gibt es eine Ausnahme. Da steht doch zwischen den Deutschen ein Girl wie aus dem Nichts. Mit Fahrradhelm und Sportklamotten bekeidet spüren wir, daß sie nicht zu diesen Touristen gehört. Und wie der Zufall es will. sie kommt aus Speyer, meiner Heimatstadt und kennt sogar meine Schwester. 10.000 km entfernt im fernen Oman. Welch ein Zufall. Wir verbringen nette Stunden mit Ursel aus Speyer. Sie hat sich für 18 Monate eine Auszeit genommen, ist am 1. Mai 2025 von zu Hause gestartet und bereist mit ihrem Fahrrad verschiedenste Länder. In Speyer wollen wir uns im nächsten Jahr dann mal treffen.

 

Übers Sinkhole ans Meer mit nächtlicher Abholaktion von Ursel und weiter zum Wadi Shab und Wadi Tiwi

Und dann gibt es auch noch diese „Sinkholes„. Ein Gebiet wird von Wasser unterhöhlt und und die „Decke“ bricht in sich zusammen. Durch Regen und Flusszuläufe füllen sich diese „Holes“ mit Wasser. Ein geologisches Phänomen, das sich über Millionen von Jahren ausbildet.

Ebenso interessant sind die Wadis. Das sind Schluchten und Canyons, an deren Talboden sich oft ein Flussbett entlangschlängelt. Diese Wadis können schmal oder kilometerbreit und lang sein. Je nach Dauer und Intensität der Regenfälle bilden sich Wasserfälle und Wassergumpen, die zum Baden einladen. Ausgehend vom riesigen Hadschar-Gebirge verlaufen diese meistens in West-Ost-Richtung zum Meer hin.

Als wir am Fins Beach an einer Klippe am Meer stehen, meldet sich Ursel. Sie ist nur noch 20 km von uns entfernt und will uns besuchen. Nach einer Stunde ist sie in Sichtweite. Dummerweise trennt uns ein Canyon. Mittlerweile dämmert es, Ursel ist etwas genervt und entkräftet. Wir verlassen ganz schnell unseren Standplatz und vereinbaren einen Treffpunkt zu Beginn einer Piste. Als wir sie treffen, ist es stockdunkel. Ihr Gepäck kommt in Karli und im Licht unserer Pistenbeleuchtung von Karli radelt Ursel mit uns als Begleitschutz zu unserem Übernachtungsplatz. Ende gut – alles gut.

 

Arabische Halbinsel 2025-2026 | Teil 7 – Musandam – Oman und Muscat

Reise auf die Arabische Halbinsel 2026 | Teil 7 – Musandam – Oman und Muscat

Von Dubai nach Musandam-Oman mit Pistenfahrt in die Berge südlich von Khasab

Musandam, eine Exklave von Oman, die am nördlichsten Zipfel der arabischen Halbinsel liegt. Sowohl jetzt, als auch in der Vergangenheit hat die Meerenge von Hormus eine hohe strategische Bedeutung. Diese Meerenge bildet das Tor nach Vorderasien als Handelsweg und dient auch als militärischer Stützpunkt. Fjorde durchqueren diese Halbinsel und erinnern uns an „Klein Norwegen“.

Wir wollen über die Berge von Khasab zum Grenzübergang VAE nach Dibba. Dahin führt nur eine Piste, für die eine Genehmigung erforderlich ist, da sie nur sehr selten befahren wird. Mehrere Stunden verbringen wir bei der Polizei und der Genehmigungsbehörde. Am nächsten Tag fahren wir in die Piste und nach sehr steilen und staubigen 4 km kommt ein Alarm mit heftigem Piepsen: „Getriebe defekt“. Ich stoppe, ziehe die Handbremse, doch Karli rollt langsam rückwärts. Mit der Fußbremse kommen die 6,5 Tonnen zum Stehen, aber ich kann nicht aussteigen. Zum Wenden ist die Piste zu schmal. Corinne steigt aus und sucht nach einer Wendemöglichkeit. 200 Meter muss ich schaffen, um zu wenden. Nach einem Neustart des Motors erlischt der Fehler kurzfristig und ich kann die erforderlichen 200 m weiter fahren. Mehrmals vor und zurück, und wir fahren kleinlaut den Berg wieder hinab. Der Schreck sitzt uns noch in den Knochen. Wir verlassen Musandam am darauffolgenden Tag über die gewohnte Küstenstraße.

In Muscat 

Wir haben die Grenze in den „großen“ Oman von VAE aus kommend passiert und wollen am späten Nachmittag noch einen Berg namens „Jabel Khoneh“ ersteigen. Nach der Hälfte der Strecke beschließen wir, daß ich weiter gehe und Corinne den Rückweg antritt. Auffällig ist, daß fast nur junge Menschen auf dem Weg nach oben sind und dies als sportliche Herausforderung sehen. Kurz vor Sonnenuntergang bin ich am Gipfel. Der Rückweg erfolgt im Dunkeln mit Stirnlampe.

Kaum unten angekommen sehen wir am Pistenrand, wie sich eine alte Mercedes Benz Limousine festgefahren hat. Wir bieten unsere Hilfe an und beleuchten die Stelle mit Karlis Pistenlicht. Operative Hektik mach sich breit. Ein Pritschenwagen will ihn bergen mit einem völlig unterdimensioniertem Seil. Kaum ist dieses provisorisch an der Stoßstange fixiert, gibt der Fahrer Vollgas. Das Seil reißt, die Stoßstange kracht auf den Boden und einige Gesichter schauen sich fragend an. Ich hole meine Sandschaufel. Wir  befreien den Benz von seinen Sandbergen und mit vereinten Kräften bekommen wir das Fahrzeug frei.

Am nächsten Tag fahren wir nach Muscat, die Hauptstadt des Oman und treffen uns dort mit Paola und Toni, die die gleiche Strecke wie wir mit ihrem Wohnmobil zurückgelegt haben. Wir haben viel zu reden, bevor wir die Reise fortsetzen.

 

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