Arabische Halbinsel 2025-2026 | Teil 5 – Kuwait

Reise auf die Arabische Halbinsel 2025 – 2026 | Teil 5 – Kuwait

Ankunft in Kuwait

Drei Wochen haben wir im Irak verbracht. Jetzt kommen wir an die Grenze nach Kuwait. Das Wichtigste ist unser Visum. In diesem Fall „Visum on Arrival“, 10 US-$ pro Person. Das hört sich doch alles locker und gut an. Nach einer halben Stunde Wartezeit kommt der ausführende Grenzbeamte mit einem süss-sauren Gesicht und meldet „we have a problem“. Das Verfahren wurde über Nacht umgestellt. Kostet jetzt 100 US-$/Person oder wir machen das selbst online. Wir sind optimistisch. Doch bereits beim Registrieren lässt sich kein Passwort kreieren. Der Grenzbeamte will helfen, leider vergeblich. Auch er ist überfordert. Es folgen 2 1/2 Stunden Warten. Wir sehen, daß hinter dem Schalter des Grenzers viele emotionale Telefonate geführt werden. Dann endlich die Erlösung. Visum ist erteilt für 10 US-$. Das Schwabenherz von Corinne kann sich beruhigen. Wir sind die Ersten nach der EDV-Umstellung. Der komplette Grenzübertritt dauert 5 Stunden. Warum muss immer alles so kompliziert sein. Wehe, wenn nochmal jemand über die Europäische Union schimpft! Es geht noch schlimmer.

Weiter geht es nach Kuwait Stadt. Einen imposanten Übernachtungsplatz finden wir direkt unterhalb der Kuwait Towers. Es ist Weihnachten und wir gönnen uns ein Essen in einem dieser Türme. Nach zwei Tagen verlegen wir unseren Stellplatz auf Southern Island, eine abgelegene Fläche im Meer gegenüber der Skyline. Kaum angekommen, folgt bereits eine Einladung. Und von wem? Es ist der Eigentümer von Alkhaled Factory, einer Firma, die Wohnmobile nach kuwaitischem Stil herstellt. Die Bilder sprechen für sich.

 

Kuwait City – auf dem Fischmarkt, in der Mall „The Avenues“ und im riesigen Shaheed Park

Wir beschließen, doch noch Silvester abzuwarten und beziehen einen neuen Stellplatz am Fischmarkt. Ich suche vergeblich einen Automaten für die Parkgebühr. Ich spreche einen Kuwaiti an, der erst gar nicht versteht, wie man solch eine Frage stellen kann. Alles ist hier kostenlos. Es gibt Parkplätze in Hülle und Fülle, natürlich überdacht wegen der zerstörerischen Sonne im Sommer. Krankenversicherung, Sozialabgaben – doch nicht hier. Brutto-Lohn = Netto-Lohn. Was ist denn das? Der Kuwaiti kennt nur einen Lohn und das ist der ohne Steuern und ohne Sozialabgaben. So lässt es sich hier komfortabel leben.

Im Sommer sind die Temperaturen bis zu 50 Grad. Die Hölle selbst für die Einheimischen. Und was machen diese? Sie gehen in ihre klimatisierten Malls. Dort gibt es alles, was das Herz begehrt. Luxus en masse!

 

Kuwait City – Besuch von Ahmed, dem Unimog-Fahrer und Fahrt zur Grenze nach Saudi Arabien

Es ist bereits dunkel, als es an Karlis Tür klopft. Es ist ein Araber namens Ahmed, der die üblichen Fragen stellt. Woher, wohin usw. Er selbst hat einen riesigen Unimog, den er uns unbedingt zeigen will. Gesagt, getan. Am nächsten Tag taucht er auf. Wir trinken bei ihm Kaffee, lassen uns alles von ihm erklären und lassen die arabische Gastfreundschaft über uns ergehen. Nach acht Tagen Aufenthalt in Kuwait Stadt ziehen wir weiter zur Grenze nach Saudi Arabien.

 

Arabische Halbinsel 2025-2026 | Teil 4 – Federal Irak

Reise auf die Arabische Halbinsel 2025 – 2026 | Teil 4 – durch Federal Irak nach Süden

Von Erbil nach Samarra

 

Der Regen in Erbil hat sich nach fünf Tagen endlich verzogen. Nach fast zwei Wochen in Kurdistan – Irak müssen wir weiter zur Grenze nach Federal Irak. Bis vor wenigen Wochen gab es für uns nur ein Irak. Dass es hier doch wesentliche Unterschiede gibt zwischen Kurdistan und Federal haben wir erst bei dieser Reise gelernt.

Nach circa einer Stunde Fahrzeit kommt die Grenze: alle sind freundlich und zuvorkommend. Reisepass, Visum, Fahrzeugschein, Carnet de passage. Das sind die üblichen Papiere, die verlangt werden. Zunächst sucht der erste Iraki nach dem Einreisestempel. Dann bittet er uns an die Seite zu fahren. Fahrzeug abstellen, mitkommen zum „chief officer“. In dem Container erwarte ich reges Treiben. Nix da. Alles verrammelt und die Vorhänge zu. Es wird geklopft, mehrmals. Dann dringen Geräusche zu uns vor. Einige unverständliche animalische Laute werden vernommen – und der wird doch nicht etwa….? Und tatsächlich, der „Big Boss“ öffnet mit kleinen Augen die quietschende Tür. Die Mütze noch schnell auf den Kopf. Steht da einer vor mir im Unterhemd und offenem Hosenschlitz und bietet mir einen Chai an. Gut gemeint, aber bei solchen Verhältnissen lehnt selbst der Capitano das Angebot ab. Der „chief officer“ macht Kopien von allen Papieren und zeigt seinem untergeordneten Officer den Einreisestempel. Und damit ist das Geschäft erledigt. Wir dürfen weiter. Das Ganze wiederholt sich bei den bevorstehenden 200 km circa 15 mal und unsere Nerven liegen blank. Die schlafen sich einen ab und wir als ordentliche Deutsche sehen weder eine digitale Vernetzung, keinerlei Struktur in dem Ganzen, aber ein eskalierendes Chaos. Ruhig Blut, irgendwann sind auch wir bei Dunkelheit in Samarra. Suchen in den schlammigen Straßen einen Übernachtungsplatz. Ein Iraker ist uns dabei behilflich. Vor seinem Geschäft dürfen wir parken. Welch Glück! Und dann kommt wieder so einer im Tarnanzug, schaut grimmig und fordert uns auf, weg zu fahren. Wir diskutieren, appellieren an seine soziale Kompetenz. Fremdwort. Wir müssen weg. Wir irren bei Nacht durch die Schlammstraßen. Das GPS spinnt jetzt auch noch und zeigt eine Position 200 km weiter südlich in Karbala. Endlich in einer Seitenstraße die ersehnte Ruhe. Von wegen, nach fünf Minuten stehen etwas 20 Leute um unser Fahrzeug. Polizei, Militär, zivile Wichtigtuer und zwei demütig dreinschauende Deutsche, die nur eins wollen. Etwas essen und schlafen. Es wird noch eine weitere Stunde diskutiert, die Lösung scheint in greifbarer Nähe. Man hat sich geeinigt. Wir dürfen stehen bleiben – aber die Polizei bleibt bei uns und hält Wache bis zum nächsten Morgen. Egal, Hauptsache wir haben unsere Ruhe. Das war unser Erlebnis in Samarra. 

Baghdad

Ein Geräusch bei Karli macht sich wieder bemerkbar. Mein Verdacht – der Winkelhalter vom DPF ist wieder gerissen. Kaum in Baghdad angekommen, suchen wir die erste Werkstatt auf. Verkehrschaos, Hupen, stinkende Luft und wir stehen vor einer Autowerkstatt und erklären unsere Situation. Nach zwei Stunden schrauben und schweissen ist alles repariert. Und dann nehmen die hilfsbereiten Irakis vor lauter Gastfreundschaft keinen Cent für ihre geleistete Arbeit. Aber wir müssen einen Tee mit ihnen trinken. Hat man dafür noch Worte.

Mittlerweile stockdunkel, wir suchen wieder mal einen Übernachtungsplatz. Werden in einem Wohngebiet fündig und fallen todmüde ins Bett.

Am nächsten Tag wird eine Iveco Werkstatt angesteuert. Für 20 km brauchen wir 1,5 Stunden Fahrzeit. Der Meister lässt sich von uns alles erklären, lehnt sich zurück und meint: Lieferzeit für einen neuen Winkel vier Monate. Indiskutabel, wir lehnen ab.

Wir bleiben noch weitere zwei Tage. Lernen Samara und ihre Familie kennen, die uns mit Geschenken und Essen verwöhnt. Wir wissen gar nicht, wie uns geschieht. Auch das ist Baghdad.

Dann spricht uns Adnan in einer Verkaufsstraße von Baghdad in hervorragendem Englisch an. Er war Pilot bei Iraqi Airlines, ist jetzt Rentner und die Themen, die wir zu besprechen haben, nehmen kein Ende. Auch das ist Baghdad.

Und dann ist da wieder die Polizei. Bleibt die ganze Nacht bei uns, da sie um unser Wohlergehen und Sicherheit bemüht sind. Auch das ist Baghdad.

 

Babylon

Babylon, Mesopotamien, Euphrat, Tigris. Die schon fast vergessene Vergangenheit vom früheren Geschichtsunterricht wird zur Gegenwart. Nur schwer lässt sich erahnen, welche Baukunst und Dimensionen dieses Reich mit ihren tollen Bauten vorzuweisen hatte.

Ein dunkles Kapitel direkt in der Nachbarschaft ist der ehemalige Palast von Saddam Hussein. Zwischenzeitlich ziemlich verkommen, diente dieser während des dritten Golfkrieges den Amerikanern als Stützpunkt.

Wir lernen Theresa und Patrick kennen. Die beiden haben sich vom Berufsleben eine Auszeit genommen und verfolgen die gleichen Ziele wie wir.

 

In der heiligen Stadt Nadjaf

Nadjaf ist wohl die konservativste Stadt im Irak. „Klein Mekka“. Viele, viele Iraker pilgern zu dieser Stadt. Vergleichbar mit Ghom im Iran unterliegen die Menschen strengen Kleidungsvorschriften. So auch unsere Mädels mit ihren „Abayas“. Hussein, ein Iraker der englisch studiert hat, erklärt uns die Sitten und Gebräuche dieser Stadt. Ach, geht es uns doch so gut in Deutschland!

 

In der antiken Mega-City Uruk in Mesopotamien

Uruk ist eine riesige Ausgrabungsstätte. Und geleitet wird das alles von einer deutschen Archäologin namens Margarete van Ess aus Tübingen. Was soll man dazu sagen. Wir Deutsche werden bevorzugt behandelt. Müssen keinen Eintritt zahlen, bekommen eine Führung und werden, wie es sich gehört, zum gemeinsamen Tee eingeladen.

 

Safwan, die letzte Stadt im Irak vor der Grenze nach Kuwait

Safwan ist unsere letzte Destination. Durch Zufall lernen wir die Familie des Bürgermeisters kennen und und werden, wie schon so oft, eingeladen zum abendlichen Essen. Und natürlich werden wir nachts von der Polizei bewacht, die um unser Wohl und Sicherheit bemüht ist.

Fazit:

Aus den ursprünglich geplanten 3-4 Tagen Transit durch den Irak sind drei Wochen Aufenthalt in unterschiedlichsten Gegenden mit all ihren fantastischen Menschen geworden. Nie haben wir uns unsicher gefühlt, geschweige denn nicht willkommen. Das Gegenteil war der Fall. Die Gastfreundschaft, die Offenheit und die Hilfsbereitschaft sind nicht zu übertreffen. Jedoch unterscheidet sich Kurdistan Irak doch erheblich von Federal Irak. Der europäische Tourismus ist im Irak nahezu unerschlossen. Eine Reise nach Kurdistan ist absolut empfehlenswert und eine Reise wert. Federal Irak hat eine deutlich schlechtere Infrastruktur und ist für den gewöhnlichen Tourismus nicht wirklich zu empfehlen.

 

Arabische Halbinsel 2025-2026 | Teil 3 – Irak – Kurdistan

Reise auf die Arabische Halbinsel 2025 – 2026 | Teil 3 – durch Irak von Norden nach Süden – Autonome Region Kurdistan

Von Zakho nach Lalish

Wir haben es geschafft. Nach zweieinhalb Stunden an der türkisch-irakischen Grenze dürfen wir nun einreisen. Irak, ein Land bei dem fast alle Deutschen hellhörig werden und Vergangenes nicht vergessen haben. Gemeint sind Kriege, Attentate, Diktatoren, Menschenrechtsverletzungen und alles Schlechte, was es sonst so auf der Welt gibt. Auch wir bereisen ein neues Land, denken eher an eine schnelle Durchreise mit kurzen Unterbrechungen. Aber wir sind nicht festgelegt, sind offen für alles Neue und die Neugierde treibt uns an.

Zakho liegt nur wenige Kilometer hinter der Grenze. Kaum angekommen, stecken wir nahezu ortsfest im Verkehrschaos. Nur im Schneckentempo quälen wir uns durch die Innenstadt, suchen verzweifelt nach einem Übernachtungsplatz. Im Augenwinkel entdeckt der Capitano einen Platz vor einem Privathaus. Das schlechte Gewissen plagt uns. Hier werden wir bestimmt vertrieben. Die Freude wird nicht von langer Dauer sein – so befürchten wir. Aber dabei denken wir an deutsche Gebote und Verbote. Ein älterer Herr füttert seine Hühner und zwei Deutsche fragen kleinlaut nach einer Erlaubnis, hier stehen zu dürfen. Ein raubärtiges Gesicht mit warmherzigen Augen schaut uns ungläubig an, fragt nach dem Woher und bietet uns dann auch noch einen Tee an. Daß wir die Nacht hier verbringen dürfen, wird zur Selbstverständlichkeit. Wir sind im Irak!

Eine nette Altstadt gepaart mit modernen Gebäuden lässt uns nach einer abendlichen Runde in einen Tiefschlaf sinken.

Und was machen wir morgen, so der Capitano. Lalish – so der Reisemanager Corinne. Eine heilige Stadt der Jesiden.  Nur begehbar mit Socken oder barfuss. Was sind das denn für neue Sitten? So ist nun mal der Brauch dieser Glaubensgemeinde. Nach kurzer Zeit werden wir in Deutsch von einer Familie angesprochen. Sie waren in der Vergangenheit geflüchtet nach Deutschland. Die Deutschen haben sie respektiert und gut behandelt. Entsprechend werden auch wir vorzüglich behandelt. Man erklärt uns Bräuche, das Leben und zeigt uns mystisch wirkende Räume, die in der Regel kein normaler Tourist betreten darf. Selbst bei dem „Oberheiligen“ werden wir freundlichst eingeladen zu einem gemütlichen Stelldichein. Wir wissen gar nicht warum. Die Gastfreundschaft nimmt ihren Lauf. Lalish – welch eine Begegnung. Sind es doch immer die Menschen, die uns so begeistern und die glücklichen Zufälle, die diese Art von Reisen so einzigartig machen.

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Lalisch

https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/lebenszeichen/auf-wallfahrt-im-heiligen-tal-der-yeziden-100.html

 

Von Lalish über den Pass bei Dinarta nach Barzan

Barzan, so unser nächstes Ziel. Inmitten des wilden Kurdistan im Nordosten Iraks gelegen. „Durchs wilde Kurdistan“ so der Titel einer meiner Karl May Bücher aus jungen Jahren. Und nun sind wir hier und dürfen dies alles hautnah erleben. Eine Besuch der Gedenkstätte der Kurden stimmt uns nachdenklich und macht uns traurig zugleich. Hier wurden im letzten Jahrhundert mindestens 8.000 Menschen verschleppt, gefoltert und dann getötet. Warum? Es war wie so oft, eine andere Kultur mit ihrem eigenen Glauben und dieses doch so stolze Volk wollte man hörig machen. Wir erfahren viel über diese Menschen und haben tiefsten Respekt, wenn man sich mit der Vergangenheit und der Geschichte der Kurden insbesondere der Barzanis beschäftigt.

https://kurdische-gemeinde.de/in-gedenken-an-den-barzan-genozid/

https://kurdistanchronicle.com/babat/4066

https://www.kurdistan24.net/en/story/827360

 

Von Barzan nach Bekhal und Ravanduz und weiter nach Erbil

Wir verlassen Barzan und wollen zu einer Schlucht bei Ravanduz. Es folgen tolle Aussichten mit grandiosen Canyons. Auch sind dies die Ausflugziele von irakischen Touristen. Rummelplätze und Picknickplätze sind häufig zu sehen. Europäer zu treffen ist äußerst selten. Wenn, dann Weltreisende wie wir. Über 6.000 km liegen hinter uns und wir haben erst zwei deutsche Pärchen mit ihren Fahrzeugen getroffen. Zu groß sind die Ängste und Vorbehalte unserer Freunde und Bekannten in Deutschland, um dieses herrliche Land näher kennen zu lernen.

 

In Erbil 

Ein Schlechtwettergebiet ist angekündigt mit lang anhaltendem Regen. Daher beschließen wir, Erbil, die Hauptstadt von Irak-Kurdistan, zu besuchen. Daniel und Aline, die wir in Lalish kennen gelernt haben, sind bereits vor Ort und erwarten uns. Wäre da nicht bei meinem täglichen Kontrollgang aufgefallen, daß sich der Zusatztank, etwas gelockert hat. Wir steuern eine Iveco Werkstatt an, die auf dem Weg liegt. Ich bin kaum auf dem Hof, habe das Problem erklärt, liegt auch schon ein Mechaniker unter Karli und gibt sein Bestes. Nach einer halben Stunde Arbeit will ich die Rechnung bezahlen. Fehlanzeige, macht 0,0 €. Wir können es fast nicht glauben. Nicht einmal unsere Schokolade aus Deutschland wollen sie annehmen! Wir wissen gar nicht wie uns geschieht und verlassen fast beschämt das Gelände.

Erbil, der zentrale Mittelpunkt Kurdistans. Hier treffen sich Menschen aus allen Ländern der Welt. Kultur wird groß geschrieben. Wir haben das Glück, dass wir Kanaan kennen lernen, den früheren Honorar-Konsul von Irak-Kurdistan in Deutschland. Kanaan spricht perfekt deutsch und lässt uns seine großzügige Gastfreundschaft zukommen. Mehrere Tage verbringen wir zu fünft mit Besichtigungen, Essen gehen, und lassen uns alles genau erklären. Die Stadt wurde weitestgehend von Kriegen verschont und hat eine intakte Altstadt. Die Neustadt selbst ist mindestens gleich zu stellen mit Großstädten in Deutschland. Hier leben Menschen verschiedenster Hautfarben, Sprachen und Kulturen friedlich nebeneinander. Wenn es doch nur überall auf der Welt so wäre!

Der lang anhaltende Regen hat den Saharastaub aus der Atmosphäre gefiltert und Karli entsprechend eingesaut. Der Capitano will etwas Gutes tun und ordnet eine Wäsche an. Kaum angekommen, fallen mindestens sechs Leute, bewaffnet mit Putzlappen, Hochdruckstrahler, Wasserschlauch über Karli her. Der Capitano versucht verzweifelt Instruktionen zu geben, um Schlimmeres zu vermeiden. Zu spät. Die Katastrophe nimmt ihren Lauf. Ich soll den Waschplatz verlassen. Aber – alles ist tot. Nicht eine Lampe leuchtet beim Versuch Karli zu starten. Um uns herum wird es verdächtig still. Ein deutschsprechender Iraker kommt zu Hilfe. Er tippt entgegen meiner Meinung auf eine leere Batterie. Ich selbst denke eher an einen Kurzschluss. Aber nichts geht mehr und der Capitano bekommt eine schweinisch rosarote Farbe ins Gesicht. Es wird versucht mit Starterkabel zu überbrücken. Nichts geht. Dann lässt man einen LKW kommen, überbrückt. Nichts geht. Dann tauscht man die Batterie gegen eine neue. Nichts geht. Erst jetzt glaubt man, dass es doch nicht die Batterie ist. Andere schalten sich mit ein. Es wird bereits ein Tieflader bestellt, der Karli zu einer Werkstatt bringen soll. Die nächsten Tage scheinen ungewiss. Und morgen ist natürlich Freitag, da geht hier gar nichts. Das ist der christliche Sonntag. Nach vier Stunden vegeblicher Versuche Karli zu starten, kommt noch ein letzter Mechaniker mit einem unseriös aussehendem PKW, der mehr stottert, als daß er fährt. Der Mechaniker fängt an zu messen, schraubt wild drauf los und nach einer Stunde zeigt er auf eine der Sicherungen der Starterbatterie. Diese habe ich glücklicherweise bei meinen Ersatzteilen. Wir tauschen – und welches Glück – Karli springt wieder an. Ein Stein fällt uns vom Herzen. Der Capitano und der „kleine wilde Mechaniker“ schließen eine Freundschaft fürs Leben. Die Reise kann weiter gehen!

 

Arabische Halbinsel 2025-2026 | Teil 2 – Türkei

Reise auf die Arabische Halbinsel 2025 – 2026 | Teil 2 – durch die Türkei von West nach Ost

Von der Grenze bis zum Phrygischen Tal

Wir nähern uns Canakkale. Eine Wasserstraße, die Europa von Asien trennt. Hier treffen unterschiedliche Welten aufeinander, auch wenn es zunächst nicht offensichtlich ist. Wir sind auf der Fähre, schauen uns gegenseitig an. Voraus liegt Asien, im Rücken Europa. Ein eigenartiges Gefühl. Noch liegen 5.500 km vor uns.

Am Abend esssen wir in der erstbesten Kneipe. Die Müdigkeit des anstrengenden Tages dominiert und wir bestellen das, was die Bedienung uns empfiehlt. Das Ergebnis: ein gutes Essen, aber 60 € müssen wir zahlen. Eindeutig zu viel für ein schwäbisches Pärchen! Das kommt davon, wenn der Capitano sich zu sehr auf die Bedienung anstatt auf das Essen konzentriert!

Das phrygische Tal zieht uns an. Keinerlei Tourismus und vergleichbar mit „Klein Kappadokien“. Von einem türkischen Paar werden wir zum Tee trinken eingeladen. Für uns noch ganz ungewohnt. Aber  stimmt, wir sind ja in Vorderasien. Die türkische islamische Gastfreundschaft holt uns ein.

 

In Konya

Und immer wieder höre ich dieses vibrierende Geräusch bei Karli. Der Haltewinkel vom DPF ist zwischenzeitlich ganz gerissen und lässt mich nicht mehr ganz so gut schlafen. Daher wollen wir schnellstens nach Konya in die Werkstatt. Osman ist bekannt für seine Hilfsbereitschaft und organisiert jemanden, der uns dieses Teil schweisst. Dann noch die Räder diagonal wechseln und unsere „to do Liste“ ist vorerst abgearbeitet. So ist das, wenn man die große, weite Welt kennen lernen will. Ein Auf und Ab.

Der für uns unbekannte und angenehme Teil sind der Besuch der „Derwische“ im Kulturzentrum von Konya. Etwas gewöhnungsbedürftig ist das schon und hat mit europäischem Tanzstil aber rein gar nichts zu tun.

 

Von Konya vorbei am Taurus-Gebirge bis Gaziantep

Zu gerne würden wir das Taurus Gebirge näher kennen lernen. Dazu gibt es eine tolle Piste, vergleichbar mit einer Mondlandschaft, die wir gerne fahren wollen. Angekommen in Pozanti, einer Ortschaft am Fuße des Taurus, werden wir von Einheimischen zum Tee eingeladen. Von einer Querung des Passes raten sie eindringlich ab. Die starken Regenfälle der letzten Tage haben das Taurus Gebirge unpassierbar gemacht. In 3.000m sind über ein Meter Schnee gefallen.

Wir finden uns damit ab und fahren weiter nach Gaziantep. Unterwegs werden wir überholt von einem PKW mit Warnblinkanlage. Dieser fährt rechts an den Fahrbahnrand und bittet uns anzuhalten. Zwei fragende Gesichter schauen sich an. In Deutschland ist es meistens die Polizei, die mich anhält. Ein junger Türke steigt aus, heißt uns ganz aufgeregt willkommen und lädt uns zu Essen und Tee ein. Die Polizei in Deutschland hat das noch nie bei mir getan. Es fällt uns schwer dieser Einladung zu widerstehen, aber wir müssen ihm absagen, da es bereits zu dämmern anfängt. Unbeschreiblich, diese Gastfreundschaft! Südostanatolien lässt grüssen.

Angekommen in Gaziantep besuchen wir den Basar. Die Musik, die Düfte und die vollkommen anderen Menschen erinnern uns an 1001 Nacht. Auch die Essenskultur ist eine völlig andere. Aus dunklem Körnerbrot wird Fladenbrot und aus dem geliebten Zwiebelrostbraten wird Lahmacun und Kebab. Der vordere Orient zeigt uns sein Gesicht.

 

Über Sanliurfa nach Mardin und weiter zur Ibrahim Khalil-Grenze nach Irak

Weitere Städte wie Sanliurfa und Mardin liegen auf dem Weg zur irakischen Grenze. Diese Städte sind beliebte Ausflugziele für einheimische Touristen. Europäer sieht man hier selten. Wir werden oft angesprochen, wo wir her kommen und was wir hier tun. Einladungen fast jeden Tag sind hier nicht unüblich, obwohl wir doch für die Einheimischen Fremde sind. In Deutschland  – unvorstellbar. Orientalische Altstädte mit ihren Basaren und hochmoderne Neustadtviertel, die an die westliche Welt erinnern, bilden ein Kontrastprogramm. In Mardin fahren wir zum ersten Mal auf unserer Reise einen kleinen Campinplatz an, da freies Stehen hier nahezu unmöglich ist. Wäsche wird gewaschen, Karli im Innenraum gesaugt, Einkäufe erledigt. Die Alltagsroutine nimmt ihren Lauf und wir sind bereit für den Irak!

 

Iran 2022 | Teil 18 – Heimreise nach Deutschland

Reise nach Iran | Teil 18 – Heimreise auf dem Landweg nach Deutschland und FAZIT:

Türkei – Griechenland – Nord-Mazedonien – Albanien – Montenegro – Bosnien-Herzegowina – Kroatien – Slowenien – Italien – Österreich – Deutschland     

Oktober/November 2022:

Wir sind noch 60 km vor der iranisch/türkischen Grenze. Bei 2 Cent/Liter werden die Dieseltanks nochmals randvoll gemacht. Der Grenzübergang selbst übertrifft dann all unsere Erwartungen. Chaotischer kann es nicht mehr sein. Als wir an das Tor rollen, glaubt man, eine Meute von Menschen hätte auf uns gewartet. Alle wollen behilflich sein, oder ist es nur Eigeninteresse einige Euro verdienen zu wollen? Zuerst lässt uns am „check in“ der Grenzbeamte eine halbe Stunde bei seinem Frühstück zuschauen nach dem Motto „Rien ne va plus“. Als er fertig ist, schaut er die Papiere an und will uns an einen anderen Grenzübergang verweisen. Dieser ist ja nur 500 km weiter. Wir haben ihn endlich überzeugt, daß wir bei ihm richtig sind. Wir werden von einem Schalter zum nächsten geschickt. Manche Vorgänge wiederholen sich mehrmals. Die Dieseltanks werden vermessen und das Tankvolumen muss versteuert werden. Die Frauen müssen zu Fuss über die Grenze, die Männer bleiben bei den Fahrzeugen. Immer wenn das Haupttor geöffnet wird, rennen alle wie von der Tarantel gestochen zu ihren Fahrzeugen, um in den Innenhof zu kommen. Dort steht man dann in einer Baustelle, die bereits seit vier Jahren besteht, ohne nennenswerte Baufortschritte. Das Tor selbst wird nur alle Stunde geöffnet. Dann können die nächsten zehn Fahrzeuge einfahren. Es folgen viele Passkontrollen, Fahrzeugdurchsuchungen, Röntgenkontrolle und undefinierte Wartezeiten, die uns Deutschen mit angeborenem Perfektionismus den letzten Nerv rauben. Nach fast sieben Stunden haben wir es geschafft. Corinne ist wieder bei mir und wir stehen auf türkischem Boden.

Wir haben die letzten Tage wieder etwas Getriebeöl verloren. Karli krankt, also nichts wie in die nächste IVECO Werkstatt in Van. Dort wird wieder der Simmerring gewechselt, in der Hoffnung, dass dieser besser abdichtet. Wir lernen Robert und Maria kennen, die ebenso ihr Fahrzeug dort zum Ölwechsel vorbeibringen.

Am nächsten Tag ruft das Abendland und wir ziehen Richtung Westen weiter.

Unser Heimweg führt uns über Griechenland – Nordmazedonien – Albanien – Montenegro – Bosnien-Herzegowina – Kroatien – Slowenien – Italien – Österreich nach Deutschland. Es ist, als ob jemand einen Schalter umgelegt hat. Alles ist sauber, geregelt, ordentlich und von einer kühlen Distanz der Menschen dominiert. An diese ungewohnten Momente müssen wir uns noch gewöhnen. 

Viele Dinge müssen nach 6 1/2 Monaten Auszeit erledigt werden. Wir sind die ersten Wochen noch gar nicht richtig angekommen. Auch in Deutschland lohnt es sich zu leben. Doch unsere Gedanken schweifen schon wieder in die Ferne.

FAZIT:

Knapp sieben Monate waren wir unterwegs. Haben 23.000 km zurück gelegt. Genächtigt, gegessen, gelebt und viele schöne Momente genossen in einem 8 1/2 qm großen Wohnraum. Das mobile und autarke Reisen hat uns Spaß gemacht. Die Aufgabenteilung und das Zusammenleben zwischen uns beiden hat super geklappt, und natürlich gab es auch in dem ein oder anderen Fall heftige Diskussionen.  Zusammen haben wir uns prima ergänzt und in schwierigen Situationen gegenseitig wieder aufgebaut. Die vielen Eindrücke von den Ländern und den Menschen müssen erst noch verarbeitet werden. Nur selten gab es Situationen in denen wir uns unwohl oder bedroht gefühlt haben. Wir können nicht wirklich sagen, wo es uns am besten gefallen hat. Jedes Land hat seine speziellen Reize und auch die Menschen mit ihren unterschiedlichen Kulturen waren für uns eine angenehme Herausforderung.

Was neu für uns war, ist das eigene vollverantwortliche Reisen in solch ferne Länder auf den eigenen vier Rädern und nicht vergleichbar mit den organisierten Fernreisen von Reiseveranstaltern.

Ebenso neu und unbeschreiblich war die nicht zu beschreibende Gastfreundschaft, vor allem in der Osttürkei und dem Iran. Für uns hat sich eine vollkommen neue Welt aufgetan mit all ihren reizvollen Facetten und Menschen, von denen wir Europäer bei einigen Themen vieles lernen können. Es war für uns eine Bereicherung in jeglicher Hinsicht und wir haben schon jetzt wieder Fernweh nach all diesen Ländern.

Iran 2022 | Teil 17 – Iran – der Nordwesten: auf dem Weg zur türkischen Grenze

Reise nach Iran | Teil 17 – der Nordwesten:

Hamadan – Katale Khor Cave – Takht-e Soleyman – Urmia-See – Koy – Grenze Iran/Türkei   

Oktober 2022:

Unser Kurs zeigt Nordwest Richtung iranisch-türkische Grenze. Das ein oder andere Mal denken wir an zu Hause. Wir machen Strecke, fahren jeden Tag 200 bis 300 km. Ganz anders, waren wir es doch gewohnt, wesentlich kürzere Distanzen zurück zu legen. Und als ob jemand den Schalter umlegt, wird es von heute auf morgen deutlich kälter. Wir schlafen wieder besser und morgens kommt die Heizung zum Einsatz. Ein erster Vorgeschmack auf Europa.

Die Unruhen und Prosteste haben zugenommen. Wir meiden Städte und Menschenansammlungen. Internet, WhatsApp und sonstige Kommunikationsmittel sind nicht mehr oder allenfalls sehr eingeschränkt nutzbar. Wir sind nahezu isoliert von der Außenwelt. Deutlich wird das, als unser Navi uns anzeigt, daß wir uns angeblich auf der Landebahn von Teheran befinden. Ich frage Corinne, ob sie das Gleiche sieht wie ich, oder ob das erste Anzeichen von Demenz sind. Tatsächlich, wir sind mitten in der Pampa, und nicht auf der Landebahn von Teheran. Ich bin beruhigt. Navigiert wird jetzt nach der Sonne und den Sternen. Haben doch schon unsere Vorfahren so gemacht.

Das Ende unserer Reise im Iran naht. Wir verbringen die vorletzte Nacht am Urmia-Salzsee und gnießen noch einmal die einmalige Natur. Heimweh nach Deutschland, als auch der nahende Abschied von diesem lieb gewonnenen Land machen sich bemerkbar.

In Khoy, der letzten Stadt vor der Grenze, haben wir ein gemeinsames Abendessen und lassen unsere Erlebnisse Revue passieren. Schwermut macht sich breit. Aber so ist das Leben. Am nächsten Morgen geht es an die Grenze.

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