Arabische Halbinsel 2025-2026 | Teil 9 – Oman – An der Küste entlang nach Süden

Reise auf die Arabische Halbinsel 2026 | Teil 9 – Oman – Fahrt nach Süden

Vom Wadi Tiwi nach Sur und weiter zum Ras al Khabbah und zum Fischerhafen Shannah

Von Nord nach Süd wollen wir die Küstenstraße bis an die Grenze zum Yemen fahren. Dann wieder zurück durch die Wüste in das südliche Hajar Gebirge. So der Plan. Dabei sprechen wir von ca. 2.000 km, die zu fahren sind.

Oman selbst entspricht von der Grundfläche etwa knapp der von Deutschland. Ca. 5,6 Millionen Einwohner stehen 82,5 Millionen Deutschen gegenüber. Die größten Städte sind Muscat im Norden mit über 1,5 Millionen Einwohnern und und Salalah im Süden mit circa 350.000. Dementsprechend sieht man in manchen Teilabschnitten oft nur 1 – 2 Autos am Tag. Dabei ist der Oman nach Yemen das „zweitärmste“ Land unter den Golfstaaten. Öl und Gas ist zwar eine der Haupteinnahmequellen, spielt aber im Vergleich zu den anderen Staaten eine untergeordnete Rolle. Trotzdem geht es den Omanis sehr gut. Landwirtschaft und Fischerei beschäftigen etwas ein Viertel der Bevölkerung. Tourismus spielt eine wesentliche Rolle und gerade für Europäer ist der Oman ein lohnenswertes Urlaubsziel. Getreide, Obst und Fleisch werden in großen Mengen importiert.

Oft sitzen die Omanis in Gruppen zusammen, trinken gerne Tee und diskutieren um die Wette. Dabei sind Männer und Frauen nahezu immer getrennt. Daß eine Familie mindestens 3 – 5 Kinder hat ist vollkommen normal. Kinderlose Ehepaare haben wir nicht kennen gelernt.

Wir fahren entlang der Küste. Halten uns einige Tage in den Städten auf und führen ein angenehmes Leben.

Zwischenstationen sind die Stadt Sur, in der die Fischerboote aus Holz in hochwertiger Bauweise hergestellt werden. In Shannah beobachten wir das Treiben der Fischer. Auch kommt die hier zwei Klassen Gesellschaft zum teiseagen. Während die Fischer hauptsächlich aus Bengalesen, Pakistanis und Indern bestehen, sind die Omanis die Eigentümer und Chefs dieser Einkommensquelle.

Weiterfahrt zu den Sugar Dunes und zum Ras Madrakah und zum Miji Beach (Treffen mit Theresa, Patrick, Rahel und Luca)

Wir wollen zu den Sugar Dunes. Eine kleine Wüste, die ihren Namen zu recht verdient. Als ob der liebe Gott weißen Zucker ausgeschüttet hätte in diesem Teil der arabischen Welt. Durch den Wind werden die Sanddünen organisiert und reihen sich in Reih und Glied. Und natürlich müssen wir vorher wieder Luft von den Reifen ablassen. Ohne diesen Vorgang wäre die Gefahr groß, daß wir doch mal stecken bleiben. Doch wir schaffen es glücklicherweise ohne daß wir unsere unsere Sandbleche brauchen. Bei deutlich über 30 Grad eine kräftezehrende Aktion.

Dann melden sich Theresa und Patrick, die wir im Irak kennen gelernt haben. Ein Treffen an einem der vielen menschenleeren Strände. Spontanität wird groß geschrieben. Es erwartet uns ein lustiger Abend mit zwei weiteren Reisenden aus der Schweiz, Rahel und Luca. Und so ist kein Tag wie der andere.

Aber wir beobachten die politischen Ereignisse. Amerikanische Flugzeugträger verlegen ihren Standort in Richtung persicher Golf. Ein leichtes Unbehagen kommt in uns auf.

 

Zum Wadi Shuwaimiyyah und weiter zum Baobab-Wald, dem Sinkhole Tawi Atair und zum Wadi Darbat

Von Tag zu Tag wird es wärmer. Wir suchen den Schatten, wann immer es geht. Die Vegetation wird weniger, die Kamele werden mehr. Immer wieder faszinieren uns diese Tiere. Die ganze Physiologie, jedes Glied, jeder Muskel ist auf Funktionalität ausgelegt. Die Anpassung an Wüsten, Trockenheit mit all ihren Facetten lässt sie überleben und so haben diese Tiere für die Menschen und ihre Wüsten einen hohen Stellenwert.

Unsere Lieblingswadis: Wadi Shuwaimiyyah und Wadi Darbat. Sie wirken mystisch, geheimnisvoll und erinnern an das östliche Afrika. Während das eine nur selten von Touristen besucht wird, ist das Wadi Darbat ein Touristen-Hotspot. Erst gegen Abend wird es einsamer. Wir sind alleine mit den Tieren und ihren Geräuschen. Eine Welt, in der wir uns wohl fühlen. Am nächsten Tag fahren wir die Küstenstraße nach Süden. Corinne entdeckt spielende Delphine nicht weit vom Strand. Ich stoppe sofort, hole meine Schnorchelsachen und kann mich bis auf wenige Meter diesen Säugetieren annähern. Ein unvergessliches Erlebnis.

 

Arabische Halbinsel 2025-2026 | Teil 8 – Oman – Hajar-Gebirge – über Berge und durch Wadis

Reise auf die Arabische Halbinsel 2026 | Teil 8 – Oman – Fahrt durch die Berge und Wadis

Von Muscat zum Wadi Hoqain und dem „5 elements village“ zum Little Snake Canyon und Snake Canyon und ins Dorf Bald Sait – Fahrt zurück über das Wadi Sahtan und weiter nach Rustaq

Wir sind angekommen im „großen Oman“. Schwerpunkt soll die nächsten Tage das „Hajar Gebirge“ werden. Ein über 3.000 m hohes Gebirge mit wahnsinnigen Canyons und Schluchten und den vielversprechenden Wadis. Von anderen Reisenden haben wir erfahren, wie steil und nicht ganz einfach die Pisten zu befahren sind. Noch steckt uns das Erlebnis der abgebrochenen Pistenfahrt in Musandam in den Knochen. Doch wir haben dazu gelernt, wie so oft auf dieser Reise. Wer nichts wagt, der nichts gewinnt, so unser Motto.

Das Wadi Hoqain ist unser erstes Wadi, das wir besuchen, dann folgt  der „Little Snake Canyon“ und dann sollte die Piste über den großen „Snake Canyon“ über das Dorf Bald Sait (auch Bilad Sayt genannt) hoch zum über 2.000 m hohen Berg Jabal Hat kommen. Wir beherzigen einige fahrtechnische Besonderheiten und Karli bringt uns treu und sicher an unsere Ziele. Berge mit Steigungen und Gefälle mit teilweise über 30% erfordert hochkonzentriertes Fahren. Erst in der Ortschaft Bald Sait oberhalb vom „Snake Canyon“ werden wir von den Einheimischen eingebremst. „Don’t do it. It’s too dangerous with such a big car.“ Es ist wohl eine sehr enge und sehr, sehr steile Piste, knapp 10 km lang mit einem Höhenanstieg von 1.300 m. Leider müssten wir diese auch noch hoch fahren. Letzendlich hören wir auf die Einheimischen und brechen an dieser Stelle die Durchquerung des Gebirges über den 2.050 m hohen Berg Jabal Hat ab. In einigen Wochen wollen wir das Hajar-Gebirge von Süden aus erkunden, wenn wir von Salalah nach Norden fahren. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

 

Von Rustaq aus über Sumayyah aufs Salmah Plateau und wieder runter zum Wadi Arbeieen

Vom Landesinneren und den Ausläufern des Hajar-Gebirges wollen wir über das „Salmah Plateau“ zur Küste am indischen Ozean. Wir fahren eine magisch anziehende Piste und treffen an einem Tag auf lediglich zwei Menschen. Oft fragen wir uns, wie und von was die Einheimischen hier in dieser gottverlassenen Gegend leben. Und dennoch machen sie einen zufriedenen und ausgeglichenen Eindruck. Wir kommen häufig ins Nachdenken. Die Piste ist wahnsinnig schön und naturbelassen. An einem tollen Aussichtspunkt suchen wir unseren Übernachtungsplatz. Weit über hundert Kilometer können wir an einer steil abfallenden Felswand bis zum ersehnten Meer sehen. Doch dann wird der Wind stärker und stärker. Karli steht an der Kante und unter uns fällt die Wand 200 m steil ab. Das Fahrzeug wackelt und ist unruhig wie nie zuvor. Zwischenzeitlich ist es dunkel. Ich begebe mich in dem Sturm nach außen, um alles zu überprüfen und einen Alternativplatz ausfindig zu machen. Ich kann kaum gegen den Wind angehen. Einen anderen Platz anzufahren bei Dunkelheit – zu gefährlich. Es vergehen bange Stunden und wir reden fast kein Wort. Wir fühlen uns in einer beklemmenden Situation. An Schlaf ist nicht zu denken. Erst am frühen Morgen lässt der Wind etwas nach und mit dem ersten Tageslicht verlassen wir unseren Nachtplatz und fahren eine steile Piste ins Tal.

Am Talboden des Wadi Arbeieen kommen wir zur Ruhe und können erst mal wieder durchschnaufen. Wären da nicht mindestens 15 SUV`s beladen mit Touristen. Und dazu auch noch mit Deutschen, die direkt von „Mein Schiff“ kommen zu einem Ausflug hierher. Wir sind es gar nicht mehr gewohnt mit so vielen Deutschen zu reden, und wir spüren, daß diese Art ein Land zu bereisen so gar nicht unser Ding ist. Wir lieben das Abenteuer und die Mischung von Einsamkeit, Wildnis und den landeseigenen Menschen mit ihrer für uns fremdartigen Kultur. Es vergeht kein Tag, an dem wir nicht von den Omanis angesprochen und oft auch eingeladen werden.

Doch da gibt es eine Ausnahme. Da steht doch zwischen den Deutschen ein Girl wie aus dem Nichts. Mit Fahrradhelm und Sportklamotten bekeidet spüren wir, daß sie nicht zu diesen Touristen gehört. Und wie der Zufall es will. sie kommt aus Speyer, meiner Heimatstadt und kennt sogar meine Schwester. 10.000 km entfernt im fernen Oman. Welch ein Zufall. Wir verbringen nette Stunden mit Ursel aus Speyer. Sie hat sich für 18 Monate eine Auszeit genommen, ist am 1. Mai 2025 von zu Hause gestartet und bereist mit ihrem Fahrrad verschiedenste Länder. In Speyer wollen wir uns im nächsten Jahr dann mal treffen.

 

Übers Sinkhole ans Meer mit nächtlicher Abholaktion von Ursel und weiter zum Wadi Shab und Wadi Tiwi

Und dann gibt es auch noch diese „Sinkholes„. Ein Gebiet wird von Wasser unterhöhlt und und die „Decke“ bricht in sich zusammen. Durch Regen und Flusszuläufe füllen sich diese „Holes“ mit Wasser. Ein geologisches Phänomen, das sich über Millionen von Jahren ausbildet.

Ebenso interessant sind die Wadis. Das sind Schluchten und Canyons, an deren Talboden sich oft ein Flussbett entlangschlängelt. Diese Wadis können schmal oder kilometerbreit und lang sein. Je nach Dauer und Intensität der Regenfälle bilden sich Wasserfälle und Wassergumpen, die zum Baden einladen. Ausgehend vom riesigen Hadschar-Gebirge verlaufen diese meistens in West-Ost-Richtung zum Meer hin.

Als wir am Fins Beach an einer Klippe am Meer stehen, meldet sich Ursel. Sie ist nur noch 20 km von uns entfernt und will uns besuchen. Nach einer Stunde ist sie in Sichtweite. Dummerweise trennt uns ein Canyon. Mittlerweile dämmert es, Ursel ist etwas genervt und entkräftet. Wir verlassen ganz schnell unseren Standplatz und vereinbaren einen Treffpunkt zu Beginn einer Piste. Als wir sie treffen, ist es stockdunkel. Ihr Gepäck kommt in Karli und im Licht unserer Pistenbeleuchtung von Karli radelt Ursel mit uns als Begleitschutz zu unserem Übernachtungsplatz. Ende gut – alles gut.

 

Arabische Halbinsel 2025-2026 | Teil 7 – Musandam – Oman und Muscat

Reise auf die Arabische Halbinsel 2026 | Teil 7 – Musandam – Oman und Muscat

Von Dubai nach Musandam-Oman mit Pistenfahrt in die Berge südlich von Khasab

Musandam, eine Exklave von Oman, die am nördlichsten Zipfel der arabischen Halbinsel liegt. Sowohl jetzt, als auch in der Vergangenheit hat die Meerenge von Hormus eine hohe strategische Bedeutung. Diese Meerenge bildet das Tor nach Vorderasien als Handelsweg und dient auch als militärischer Stützpunkt. Fjorde durchqueren diese Halbinsel und erinnern uns an „Klein Norwegen“.

Wir wollen über die Berge von Khasab zum Grenzübergang VAE nach Dibba. Dahin führt nur eine Piste, für die eine Genehmigung erforderlich ist, da sie nur sehr selten befahren wird. Mehrere Stunden verbringen wir bei der Polizei und der Genehmigungsbehörde. Am nächsten Tag fahren wir in die Piste und nach sehr steilen und staubigen 4 km kommt ein Alarm mit heftigem Piepsen: „Getriebe defekt“. Ich stoppe, ziehe die Handbremse, doch Karli rollt langsam rückwärts. Mit der Fußbremse kommen die 6,5 Tonnen zum Stehen, aber ich kann nicht aussteigen. Zum Wenden ist die Piste zu schmal. Corinne steigt aus und sucht nach einer Wendemöglichkeit. 200 Meter muss ich schaffen, um zu wenden. Nach einem Neustart des Motors erlischt der Fehler kurzfristig und ich kann die erforderlichen 200 m weiter fahren. Mehrmals vor und zurück, und wir fahren kleinlaut den Berg wieder hinab. Der Schreck sitzt uns noch in den Knochen. Wir verlassen Musandam am darauffolgenden Tag über die gewohnte Küstenstraße.

In Muscat 

Wir haben die Grenze in den „großen“ Oman von VAE aus kommend passiert und wollen am späten Nachmittag noch einen Berg namens „Jabel Khoneh“ ersteigen. Nach der Hälfte der Strecke beschließen wir, daß ich weiter gehe und Corinne den Rückweg antritt. Auffällig ist, daß fast nur junge Menschen auf dem Weg nach oben sind und dies als sportliche Herausforderung sehen. Kurz vor Sonnenuntergang bin ich am Gipfel. Der Rückweg erfolgt im Dunkeln mit Stirnlampe.

Kaum unten angekommen sehen wir am Pistenrand, wie sich eine alte Mercedes Benz Limousine festgefahren hat. Wir bieten unsere Hilfe an und beleuchten die Stelle mit Karlis Pistenlicht. Operative Hektik mach sich breit. Ein Pritschenwagen will ihn bergen mit einem völlig unterdimensioniertem Seil. Kaum ist dieses provisorisch an der Stoßstange fixiert, gibt der Fahrer Vollgas. Das Seil reißt, die Stoßstange kracht auf den Boden und einige Gesichter schauen sich fragend an. Ich hole meine Sandschaufel. Wir  befreien den Benz von seinen Sandbergen und mit vereinten Kräften bekommen wir das Fahrzeug frei.

Am nächsten Tag fahren wir nach Muscat, die Hauptstadt des Oman und treffen uns dort mit Paola und Toni, die die gleiche Strecke wie wir mit ihrem Wohnmobil zurückgelegt haben. Wir haben viel zu reden, bevor wir die Reise fortsetzen.

 

Arabische Halbinsel 2025-2026 | Teil 6 – Saudi Arabien und VAE

Reise auf die Arabische Halbinsel 2026 | Teil 6 – Saudi Arabien und VAE

Über Ras Tanurah und Dammam zum Judah’s Thumb und weiter nach Hofuf  

Das neue Jahr hat begonnen. Wir sind in Saudi Arabien und der arabischen Halbinsel angekommen. Für uns ein vollkommen neues Land, das wir nur aus unserem Diercke Weltatlas kennen. Schon 2023 wollten wir diese Länder besuchen. Wir waren bereits startbereit, als der Hamas Angriff auf Israel unsere Pläne durchkreuzte.

Saudi Arabien ist erst seit fünf Jahren für Touristen geöffnet. Unbedingt wollen wir in diese uns fremde Kultur eintauchen, bevor der Tourismus und die Regularien überhand nehmen.

Wir machen Halt in Ras Tanurah in einem riesigen Park, um zu übernachten. Was wir sehen, erinnert uns an den Iran. Die Männer fischen, die Frauen sitzen in Gruppen unter schattenspendenden Überdachungen. Und es wird getratscht, gelacht, gegessen und unsere Ankunft wird mit neugierigen Blicken beobachtet. Kaum haben wir unsere Panoramaklappe geöffnet, schauen uns sechs neugierige und fragende Augen an. Schnell beginnt ein Kreuzverhör mit wenigen englischen Worten. Woher, wohin, was wir hier überhaupt tun. Wir kommen kaum mit dem Beantworten der Fragen nach, als wir bereits die erste Einladung bekommen. Nicht ganz ungelegen, da wir Hunger von der mehrstündigen Fahrt haben. Und die Fragen nehmen kein Ende. Die Frauen und Männer in Gruppen getrennt ist für uns noch ungewohnt. Corinne darf an die Frauengruppen herantreten. Ich bleibe in respektvollem Abstand etwas abseits stehen. Wo ich doch so einen Hunger habe. Doch dann schauen mich mehrere hübsche braune Augen aus ihrem Sehschlitz an und bieten mir ebenso etwas Nahrhaftes an. Glück gehabt! Ich halte mich weiterhin im Hintergrund, während Frau Capitano eifrig kommuniziert.

Am nächsten Tag fahren wir weiter nach Dammam, eine Industriestadt. Wir erkundigen uns nach einer Unterstellmöglichkeit für unseren „Karli“ im Sommer. Leider erfolglos. Gefrustet verlassen wir die Stadt mit einem Trost: ich entdecke in einem Laden Milka Schokolade. Keine Ritter Sport. Aber in der Not tut es auch mal eine andere Firma.

Der Judah’s Thumb ruft. Ein in der Wüste isoliert stehender Felsklotz. Schon in Sichtweite müssen wir die letzten 15 Kilometer über eine rauhbeinige Piste hoppeln, bevor wir unser Ziel erreichen. Imposant, beeindruckend. Kaum sind die letzten Guides mit den Touris verschwunden, machen wir es uns gemütlich, als wir draußen Stimmen wahrnehmen. „How are you? Please be our guests.“ Wir führen ausschweifende Gespräche mit Händen und Füßen, „google translator “ und sonstigen kommunikativen Hilfsmitteln. Wir müssen bleiben, es gibt Kamelfleisch mit Reis – aber leider ohne Besteck. Es wird mit Fingern gegessen. So ist das hier üblich. Auch daran müssen wir uns erst noch gewöhnen. Andere Länder, andere Sitten. Wir werden verwöhnt, befragt und lernen so die herzliche arabische Gastfreundschaft kennen. Auch das ist nur möglich als Overlander und am besten zu zweit.

 

In Hofuf mit Ursula und Gereon aus Düsseldorf

 Am nächsten Tag erreichen wir Hofuf, eine kleine Stadt. Wir besichtigen Höhlen und die Hofuf-Burg und kommen abends an unseren Abstellplatz. War das nicht eben ein deutsches Auto? Ein Kastenwagen. Kaum angehalten, stellen wir uns vor. Es sind Ursula und Gereon aus Düsseldorf. Endlich mal wieder deutsch reden! Tut auch mal gut. Wir verbringen gemeinsame und herrliche Stunden.

 

Weiterfahrt von Hofuf über Al Batha und nach dem Grenzübertritt Saudi Arabien – VAE über Al Mirfa nach Dubai 

Kurs Ost-Südost, Richtung Vereinigte Arabische Emirate. Bisher hatten wir nur von den Städten, Katar, Bahrain, Abu Dhabi und Dubai gehört, aber solche Städte noch nie gesehen. Dubai ist unser Ziel, da wir auch dringend nach einer Unterstellmöglichkeit für „Karli“ suchen. Endlose Weiten liegen links und rechts unseres Weges, gespickt von Ölraffinerien, Industriegebieten – eine monotone und eintönige Landschaft.

Der Grenzübertritt nach VAE gestaltet sich wieder etwas kompliziert. Obwohl wir in solchen Ländern über unsere deutsche Kfz-Versicherung Haftpflicht- und Vollkasko-versichert sind, werden wir gezwungen eine Versicherung für Karli abzuschließen. Grund ist, daß die zuständigen Damen und Herren an der Grenze meine schriftliche Bestätigung der deutschen Versicherung nicht in ihr landeseigenes Versicherungssystem online einscannen können. Erst nach langen und mühseligen Diskussionen lassen sie uns ziehen, auch wenn Karli kein zweites Mal versichert wurde. Man muss nicht alles verstehen.

In Dubai werden wir fündig. Eine Halle, in der bereits viele Fahrzeuge stehen, soll Karli’s Sommerresidenz werden. Nicht billig, aber wir sagen zähneknirschend zu.

 

In Dubai 

Dubai, eine Millionenmetropole. 80 % der Einwohner sind Gastarbeiter, Zugereiste und Touristen. Die Architektur und die in den Himmel ragenden und nicht mehr endenden Wolkenkratzer sind eine Welt für sich. Und dennoch haben wir unsere eigene Meinung zu diesen Städten. Es fehlt die Seele. Ich denke an die Altstadt von Kirchheim, Speyer und anderen Städten, in denen ich ein Teil meines Lebens verbrachte. Leichtes Heimweh macht sich bemerkbar.

Am Abend unserer Ankunft finden wir in einem schicken Wohnviertel einen Übernachtungsplatz. Kaum angekommen, steht ein Herr mittleren Alters vor unserer Tür. In ausgefransten Hosen und verwaschenem T-Shirt bietet er seine Hilfe in perfektem Englisch an: „Come to me, whenever you need anything“. Er wohnt nur ein Haus weiter. Als wir später daran vorbeilaufen, steht hinter dem Eingangstor eine mächtige Villa mit mindestens zehn Nobelkarossen, die ich nur von Bildern her kenne. Auch das ist Dubai. Nach drei Tagen sind wir von der Mächtigkeit dieser Stadt wie erschlagen. Es zieht uns wieder in die Natur. Musandam ruft.

 

Arabische Halbinsel 2025-2026 | Teil 5 – Kuwait

Reise auf die Arabische Halbinsel 2025 – 2026 | Teil 5 – Kuwait

Ankunft in Kuwait   

Drei Wochen haben wir im Irak verbracht. Jetzt kommen wir an die Grenze nach Kuwait. Das Wichtigste ist unser Visum. In diesem Fall „Visum on Arrival“, 10 US-$ pro Person. Das hört sich doch alles locker und gut an. Nach einer halben Stunde Wartezeit kommt der ausführende Grenzbeamte mit einem süss-sauren Gesicht und meldet „we have a problem“. Das Verfahren wurde über Nacht umgestellt. Kostet jetzt 100 US-$/Person oder wir machen das selbst online. Wir sind optimistisch. Doch bereits beim Registrieren lässt sich kein Passwort kreieren. Der Grenzbeamte will helfen, leider vergeblich. Auch er ist überfordert. Es folgen 2 1/2 Stunden Warten. Wir sehen, daß hinter dem Schalter des Grenzers viele emotionale Telefonate geführt werden. Dann endlich die Erlösung. Visum ist erteilt für 10 US-$. Das Schwabenherz von Corinne kann sich beruhigen. Wir sind die Ersten nach der EDV-Umstellung. Der komplette Grenzübertritt dauert 5 Stunden. Warum muss immer alles so kompliziert sein. Wehe, wenn nochmal jemand über die Europäische Union schimpft! Es geht noch schlimmer.

Weiter geht es nach Kuwait Stadt. Einen imposanten Übernachtungsplatz finden wir direkt unterhalb der Kuwait Towers. Es ist Weihnachten und wir gönnen uns ein Essen in einem dieser Türme. Nach zwei Tagen verlegen wir unseren Stellplatz auf Southern Island, eine abgelegene Fläche im Meer gegenüber der Skyline. Kaum angekommen, folgt bereits eine Einladung. Und von wem? Es ist der Eigentümer von Alkhaled Factory, einer Firma, die Wohnmobile nach kuwaitischem Stil herstellt. Die Bilder sprechen für sich.

 

Kuwait City – auf dem Fischmarkt, in der Mall „The Avenues“ und im riesigen Shaheed Park

Wir beschließen, doch noch Silvester abzuwarten und beziehen einen neuen Stellplatz am Fischmarkt. Ich suche vergeblich einen Automaten für die Parkgebühr. Ich spreche einen Kuwaiti an, der erst gar nicht versteht, wie man solch eine Frage stellen kann. Alles ist hier kostenlos. Es gibt Parkplätze in Hülle und Fülle, natürlich überdacht wegen der zerstörerischen Sonne im Sommer. Krankenversicherung, Sozialabgaben – doch nicht hier. Brutto-Lohn = Netto-Lohn. Was ist denn das? Der Kuwaiti kennt nur einen Lohn und das ist der ohne Steuern und ohne Sozialabgaben. So lässt es sich hier komfortabel leben.

Im Sommer sind die Temperaturen bis zu 50 Grad. Die Hölle selbst für die Einheimischen. Und was machen diese? Sie gehen in ihre klimatisierten Malls. Dort gibt es alles, was das Herz begehrt. Luxus en masse!

 

Kuwait City – Besuch von Ahmed, dem Unimog-Fahrer und Fahrt zur Grenze nach Saudi Arabien

Es ist bereits dunkel, als es an Karlis Tür klopft. Es ist ein Araber namens Ahmed, der die üblichen Fragen stellt. Woher, wohin usw. Er selbst hat einen riesigen Unimog, den er uns unbedingt zeigen will. Gesagt, getan. Am nächsten Tag taucht er auf. Wir trinken bei ihm Kaffee, lassen uns alles von ihm erklären und lassen die arabische Gastfreundschaft über uns ergehen. Nach acht Tagen Aufenthalt in Kuwait Stadt ziehen wir weiter zur Grenze nach Saudi Arabien.

 

Arabische Halbinsel 2025-2026 | Teil 4 – Federal Irak

Reise auf die Arabische Halbinsel 2025 – 2026 | Teil 4 – durch Federal Irak nach Süden

Von Erbil nach Samarra

 

Der Regen in Erbil hat sich nach fünf Tagen endlich verzogen. Nach fast zwei Wochen in Kurdistan – Irak müssen wir weiter zur Grenze nach Federal Irak. Bis vor wenigen Wochen gab es für uns nur ein Irak. Dass es hier doch wesentliche Unterschiede gibt zwischen Kurdistan und Federal haben wir erst bei dieser Reise gelernt.

Nach circa einer Stunde Fahrzeit kommt die Grenze: alle sind freundlich und zuvorkommend. Reisepass, Visum, Fahrzeugschein, Carnet de passage. Das sind die üblichen Papiere, die verlangt werden. Zunächst sucht der erste Iraki nach dem Einreisestempel. Dann bittet er uns an die Seite zu fahren. Fahrzeug abstellen, mitkommen zum „chief officer“. In dem Container erwarte ich reges Treiben. Nix da. Alles verrammelt und die Vorhänge zu. Es wird geklopft, mehrmals. Dann dringen Geräusche zu uns vor. Einige unverständliche animalische Laute werden vernommen – und der wird doch nicht etwa….? Und tatsächlich, der „Big Boss“ öffnet mit kleinen Augen die quietschende Tür. Die Mütze noch schnell auf den Kopf. Steht da einer vor mir im Unterhemd und offenem Hosenschlitz und bietet mir einen Chai an. Gut gemeint, aber bei solchen Verhältnissen lehnt selbst der Capitano das Angebot ab. Der „chief officer“ macht Kopien von allen Papieren und zeigt seinem untergeordneten Officer den Einreisestempel. Und damit ist das Geschäft erledigt. Wir dürfen weiter. Das Ganze wiederholt sich bei den bevorstehenden 200 km circa 15 mal und unsere Nerven liegen blank. Die schlafen sich einen ab und wir als ordentliche Deutsche sehen weder eine digitale Vernetzung, keinerlei Struktur in dem Ganzen, aber ein eskalierendes Chaos. Ruhig Blut, irgendwann sind auch wir bei Dunkelheit in Samarra. Suchen in den schlammigen Straßen einen Übernachtungsplatz. Ein Iraker ist uns dabei behilflich. Vor seinem Geschäft dürfen wir parken. Welch Glück! Und dann kommt wieder so einer im Tarnanzug, schaut grimmig und fordert uns auf, weg zu fahren. Wir diskutieren, appellieren an seine soziale Kompetenz. Fremdwort. Wir müssen weg. Wir irren bei Nacht durch die Schlammstraßen. Das GPS spinnt jetzt auch noch und zeigt eine Position 200 km weiter südlich in Karbala. Endlich in einer Seitenstraße die ersehnte Ruhe. Von wegen, nach fünf Minuten stehen etwas 20 Leute um unser Fahrzeug. Polizei, Militär, zivile Wichtigtuer und zwei demütig dreinschauende Deutsche, die nur eins wollen. Etwas essen und schlafen. Es wird noch eine weitere Stunde diskutiert, die Lösung scheint in greifbarer Nähe. Man hat sich geeinigt. Wir dürfen stehen bleiben – aber die Polizei bleibt bei uns und hält Wache bis zum nächsten Morgen. Egal, Hauptsache wir haben unsere Ruhe. Das war unser Erlebnis in Samarra. 

Baghdad

Ein Geräusch bei Karli macht sich wieder bemerkbar. Mein Verdacht – der Winkelhalter vom DPF ist wieder gerissen. Kaum in Baghdad angekommen, suchen wir die erste Werkstatt auf. Verkehrschaos, Hupen, stinkende Luft und wir stehen vor einer Autowerkstatt und erklären unsere Situation. Nach zwei Stunden schrauben und schweissen ist alles repariert. Und dann nehmen die hilfsbereiten Irakis vor lauter Gastfreundschaft keinen Cent für ihre geleistete Arbeit. Aber wir müssen einen Tee mit ihnen trinken. Hat man dafür noch Worte.

Mittlerweile stockdunkel, wir suchen wieder mal einen Übernachtungsplatz. Werden in einem Wohngebiet fündig und fallen todmüde ins Bett.

Am nächsten Tag wird eine Iveco Werkstatt angesteuert. Für 20 km brauchen wir 1,5 Stunden Fahrzeit. Der Meister lässt sich von uns alles erklären, lehnt sich zurück und meint: Lieferzeit für einen neuen Winkel vier Monate. Indiskutabel, wir lehnen ab.

Wir bleiben noch weitere zwei Tage. Lernen Samara und ihre Familie kennen, die uns mit Geschenken und Essen verwöhnt. Wir wissen gar nicht, wie uns geschieht. Auch das ist Baghdad.

Dann spricht uns Adnan in einer Verkaufsstraße von Baghdad in hervorragendem Englisch an. Er war Pilot bei Iraqi Airlines, ist jetzt Rentner und die Themen, die wir zu besprechen haben, nehmen kein Ende. Auch das ist Baghdad.

Und dann ist da wieder die Polizei. Bleibt die ganze Nacht bei uns, da sie um unser Wohlergehen und Sicherheit bemüht sind. Auch das ist Baghdad.

 

Babylon

Babylon, Mesopotamien, Euphrat, Tigris. Die schon fast vergessene Vergangenheit vom früheren Geschichtsunterricht wird zur Gegenwart. Nur schwer lässt sich erahnen, welche Baukunst und Dimensionen dieses Reich mit ihren tollen Bauten vorzuweisen hatte.

Ein dunkles Kapitel direkt in der Nachbarschaft ist der ehemalige Palast von Saddam Hussein. Zwischenzeitlich ziemlich verkommen, diente dieser während des dritten Golfkrieges den Amerikanern als Stützpunkt.

Wir lernen Theresa und Patrick kennen. Die beiden haben sich vom Berufsleben eine Auszeit genommen und verfolgen die gleichen Ziele wie wir.

 

In der heiligen Stadt Nadjaf

Nadjaf ist wohl die konservativste Stadt im Irak. „Klein Mekka“. Viele, viele Iraker pilgern zu dieser Stadt. Vergleichbar mit Ghom im Iran unterliegen die Menschen strengen Kleidungsvorschriften. So auch unsere Mädels mit ihren „Abayas“. Hussein, ein Iraker der englisch studiert hat, erklärt uns die Sitten und Gebräuche dieser Stadt. Ach, geht es uns doch so gut in Deutschland!

 

In der antiken Mega-City Uruk in Mesopotamien

Uruk ist eine riesige Ausgrabungsstätte. Und geleitet wird das alles von einer deutschen Archäologin namens Margarete van Ess aus Tübingen. Was soll man dazu sagen. Wir Deutsche werden bevorzugt behandelt. Müssen keinen Eintritt zahlen, bekommen eine Führung und werden, wie es sich gehört, zum gemeinsamen Tee eingeladen.

 

Safwan, die letzte Stadt im Irak vor der Grenze nach Kuwait

Safwan ist unsere letzte Destination. Durch Zufall lernen wir die Familie des Bürgermeisters kennen und und werden, wie schon so oft, eingeladen zum abendlichen Essen. Und natürlich werden wir nachts von der Polizei bewacht, die um unser Wohl und Sicherheit bemüht ist.

Fazit:

Aus den ursprünglich geplanten 3-4 Tagen Transit durch den Irak sind drei Wochen Aufenthalt in unterschiedlichsten Gegenden mit all ihren fantastischen Menschen geworden. Nie haben wir uns unsicher gefühlt, geschweige denn nicht willkommen. Das Gegenteil war der Fall. Die Gastfreundschaft, die Offenheit und die Hilfsbereitschaft sind nicht zu übertreffen. Jedoch unterscheidet sich Kurdistan Irak doch erheblich von Federal Irak. Der europäische Tourismus ist im Irak nahezu unerschlossen. Eine Reise nach Kurdistan ist absolut empfehlenswert und eine Reise wert. Federal Irak hat eine deutlich schlechtere Infrastruktur und ist für den gewöhnlichen Tourismus nicht wirklich zu empfehlen.

 

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