Reise auf die Arabische Halbinsel 2026 | Teil 6 – Saudi Arabien und VAE
Über Ras Tanurah und Dammam zum Judah’s Thumb und weiter nach Hofuf
Das neue Jahr hat begonnen. Wir sind in Saudi Arabien und der arabischen Halbinsel angekommen. Für uns ein vollkommen neues Land, das wir nur aus unserem Diercke Weltatlas kennen. Schon 2023 wollten wir diese Länder besuchen. Wir waren bereits startbereit, als der Hamas Angriff auf Israel unsere Pläne durchkreuzte.
Saudi Arabien ist erst seit fünf Jahren für Touristen geöffnet. Unbedingt wollen wir in diese uns fremde Kultur eintauchen, bevor der Tourismus und die Regularien überhand nehmen.
Wir machen Halt in Ras Tanurah in einem riesigen Park, um zu übernachten. Was wir sehen, erinnert uns an den Iran. Die Männer fischen, die Frauen sitzen in Gruppen unter schattenspendenden Überdachungen. Und es wird getratscht, gelacht, gegessen und unsere Ankunft wird mit neugierigen Blicken beobachtet. Kaum haben wir unsere Panoramaklappe geöffnet, schauen uns sechs neugierige und fragende Augen an. Schnell beginnt ein Kreuzverhör mit wenigen englischen Worten. Woher, wohin, was wir hier überhaupt tun. Wir kommen kaum mit dem Beantworten der Fragen nach, als wir bereits die erste Einladung bekommen. Nicht ganz ungelegen, da wir Hunger von der mehrstündigen Fahrt haben. Und die Fragen nehmen kein Ende. Die Frauen und Männer in Gruppen getrennt ist für uns noch ungewohnt. Corinne darf an die Frauengruppen herantreten. Ich bleibe in respektvollem Abstand etwas abseits stehen. Wo ich doch so einen Hunger habe. Doch dann schauen mich mehrere hübsche braune Augen aus ihrem Sehschlitz an und bieten mir ebenso etwas Nahrhaftes an. Glück gehabt! Ich halte mich weiterhin im Hintergrund, während Frau Capitano eifrig kommuniziert.
Am nächsten Tag fahren wir weiter nach Dammam, eine Industriestadt. Wir erkundigen uns nach einer Unterstellmöglichkeit für unseren „Karli“ im Sommer. Leider erfolglos. Gefrustet verlassen wir die Stadt mit einem Trost: ich entdecke in einem Laden Milka Schokolade. Keine Ritter Sport. Aber in der Not tut es auch mal eine andere Firma.
Der Judah’s Thumb ruft. Ein in der Wüste isoliert stehender Felsklotz. Schon in Sichtweite müssen wir die letzten 15 Kilometer über eine rauhbeinige Piste hoppeln, bevor wir unser Ziel erreichen. Imposant, beeindruckend. Kaum sind die letzten Guides mit den Touris verschwunden, machen wir es uns gemütlich, als wir draußen Stimmen wahrnehmen. „How are you? Please be our guests.“ Wir führen ausschweifende Gespräche mit Händen und Füßen, „google translator “ und sonstigen kommunikativen Hilfsmitteln. Wir müssen bleiben, es gibt Kamelfleisch mit Reis – aber leider ohne Besteck. Es wird mit Fingern gegessen. So ist das hier üblich. Auch daran müssen wir uns erst noch gewöhnen. Andere Länder, andere Sitten. Wir werden verwöhnt, befragt und lernen so die herzliche arabische Gastfreundschaft kennen. Auch das ist nur möglich als Overlander und am besten zu zweit.
In Hofuf mit Ursula und Gereon aus Düsseldorf
Am nächsten Tag erreichen wir Hofuf, eine kleine Stadt. Wir besichtigen Höhlen und die Hofuf-Burg und kommen abends an unseren Abstellplatz. War das nicht eben ein deutsches Auto? Ein Kastenwagen. Kaum angehalten, stellen wir uns vor. Es sind Ursula und Gereon aus Düsseldorf. Endlich mal wieder deutsch reden! Tut auch mal gut. Wir verbringen gemeinsame und herrliche Stunden.
Weiterfahrt von Hofuf über Al Batha und nach dem Grenzübertritt Saudi Arabien – VAE über Al Mirfa nach Dubai
Kurs Ost-Südost, Richtung Vereinigte Arabische Emirate. Bisher hatten wir nur von den Städten, Katar, Bahrain, Abu Dhabi und Dubai gehört, aber solche Städte noch nie gesehen. Dubai ist unser Ziel, da wir auch dringend nach einer Unterstellmöglichkeit für „Karli“ suchen. Endlose Weiten liegen links und rechts unseres Weges, gespickt von Ölraffinerien, Industriegebieten – eine monotone und eintönige Landschaft.
Der Grenzübertritt nach VAE gestaltet sich wieder etwas kompliziert. Obwohl wir in solchen Ländern über unsere deutsche Kfz-Versicherung Haftpflicht- und Vollkasko-versichert sind, werden wir gezwungen eine Versicherung für Karli abzuschließen. Grund ist, daß die zuständigen Damen und Herren an der Grenze meine schriftliche Bestätigung der deutschen Versicherung nicht in ihr landeseigenes Versicherungssystem online einscannen können. Erst nach langen und mühseligen Diskussionen lassen sie uns ziehen, auch wenn Karli kein zweites Mal versichert wurde. Man muss nicht alles verstehen.
In Dubai werden wir fündig. Eine Halle, in der bereits viele Fahrzeuge stehen, soll Karli’s Sommerresidenz werden. Nicht billig, aber wir sagen zähneknirschend zu.
In Dubai
Dubai, eine Millionenmetropole. 80 % der Einwohner sind Gastarbeiter, Zugereiste und Touristen. Die Architektur und die in den Himmel ragenden und nicht mehr endenden Wolkenkratzer sind eine Welt für sich. Und dennoch haben wir unsere eigene Meinung zu diesen Städten. Es fehlt die Seele. Ich denke an die Altstadt von Kirchheim, Speyer und anderen Städten, in denen ich ein Teil meines Lebens verbrachte. Leichtes Heimweh macht sich bemerkbar.
Am Abend unserer Ankunft finden wir in einem schicken Wohnviertel einen Übernachtungsplatz. Kaum angekommen, steht ein Herr mittleren Alters vor unserer Tür. In ausgefransten Hosen und verwaschenem T-Shirt bietet er seine Hilfe in perfektem Englisch an: „Come to me, whenever you need anything“. Er wohnt nur ein Haus weiter. Als wir später daran vorbeilaufen, steht hinter dem Eingangstor eine mächtige Villa mit mindestens zehn Nobelkarossen, die ich nur von Bildern her kenne. Auch das ist Dubai. Nach drei Tagen sind wir von der Mächtigkeit dieser Stadt wie erschlagen. Es zieht uns wieder in die Natur. Musandam ruft.